Regionale Literatur zur NS-Zeit

Hild (Hg.): Das gegenwärtige schöngeistige Schrifttum im Gau Schleswig-Holstein. Eine Übersicht, herausgegeben im Auftrage des Landeskulturverwalters Gau Schleswig-Holstein (1940)

https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/varia/content/titleinfo/8243310

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Zwei mittelalterliche Handschriften aus Segeberg online

Auf Archivalia  wurde vor einigen Tagen auf neue Handschriften-Digitalisate im Online-Angebot der Prager Nationalbibliothek hingewiesen. Dank des mitgelieferten Links konnte ich kurz und schnell eine Recherche durchführen, die ich bereits seit längerem im Sinn hatte. Diese ging um die Frage, ob einige der in Prag lagernden Codices aus dem früheren Augustinerchorherrenstift Segeberg (bzw. aus der Bibliothek Heinrich Rantzaus, in dessen Besitz sie nach der Reformation gelangten) inzwischen im Netz verfügbar sind.

Fazit: Bei der Suche nach „Segeberg“ im Provinienz-Feld erhält man eine Trefferliste mit acht verschiedenen Büchern.  Sechs von ihnen stammen aus der Bücherei des mittelalterlichen Stiftes. Von diesen sechs Bänden lassen sich wiederum zwei online einsehen.

Digitalisiert ist zum einen der Codex „IX.F.10″, ein Breviarium  aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts:

http://www.manuscriptorium.com/apps/index.php?direct=record&pid=AIPDIG-NKCR__IX_F_10_____1T5MQE9-cs

Gleiches gilt für den Band mit der Signatur „VII.E.17“, eine geistlich-theologische Sammelhandschrift aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts

http://www.manuscriptorium.com/apps/index.php?direct=record&pid=AIPDIG-NKCR__VII_E_17____3ZLCD13-cs

Wie die Bücher in den Besitz Heinrich Rantzaus gelangten, verrät eine Notiz im leider noch nicht digitalisierten Codex  „39.D.15“ , in dem vermerkt ist:

„Dies buech hatt der Herr Stadthalter neben etzliche andere mehr ex bibliotheca Segebergensi an sich genohmen und dafür die tomos operum doct. Martini Lutheri in die Kirche zu Segeberge gegeben anno 1583 aetatis suae 58. Hinrich Rantzow m. p.“

Eine Digitalisierung steht auch für den Band „XVI.E.21“ noch aus, welcher neben einem Rechtstext verschiedene Hebungsregister und Rechnungen des Stiftes aus dem Zeitraum 1444-1486 enthält und deswegen für die Landesgeschichte von besonderem Interesse ist.

Die Existenz des Textbestandes ist der Forschung zwar seit langem bekannt (siehe zum Codex „XVI.E.21“ etwa die Texte von Lisch in den Mecklenburgischen Jahrbüchern 1862, S. 287f.; Steffenhagen in der ZSHG 1884,  S. 303ff. oder Jellinghaus in der ZSHG 1890, S. 55ff.), dennoch steht zu hoffen, dass uns in nicht allzu ferner Zukunft alle Prager Handschriften aus Segeberg online zur Verfügung stehen werden.

Kleine Presseschau

Eine Veranstaltung zum Thema „Wikingertage und Rechtsextremismus“:

https://www.shz.de/lokales/flensburger-tageblatt/rechtsextreme-und-der-wikingerkult-hakenkreuz-schild-war-kein-einzelfall-id18048421.html

„Schleswigs ältestes Haus“, die Altstadt-Apotheke am Rathausmarkt, wird 500 Jahre alt:

https://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/schleswigs-aeltestes-haus-wird-500-id18070631.html

Archäologische Ausgrabungen in Schönhagen:

https://www.shz.de/lokales/eckernfoerder-zeitung/archaeologen-bergen-2800-fundstuecke-id18061276.html

Entdeckung von Wandmalereien im Rathaus von Glückstadt:

https://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/prachtvolle-wandmalereien-gefunden-id18051941.html

Sonderausstellung „Gräben, Grün und Gartenkunst“ im Schloss Ahrensburg:

https://www.shz.de/lokales/stormarner-tageblatt/raum-fuer-den-schlosspark-id18061781.html

Schon älteren Datums, aber sehr informativ:

Artikel über den Kieler Architekten Johann Thede (1876-1934) und seinen Nachlass im Kieler Stadtarchiv:

https://www.shz.de/lokales/ostholsteiner-anzeiger/ein-jahr-gemeindearchiv-buergermeisterin-wuerdigt-ehrenamtler-id17442666.html

Artikel zur Geschichte des Kalkabbaus bei Fissau:

https://www.shz.de/lokales/ostholsteiner-anzeiger/ein-jahr-gemeindearchiv-buergermeisterin-wuerdigt-ehrenamtler-id17442666.html

Über den „Silberschatz“ von Sylt …

… berichtet heute Spiegel Online:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/grosser-silberschatz-auf-sylt-entdeckt-a-1169731.html

Die Pressemitteilung des Archäologischen Landesamts SH ist (freilich auch was den Auftritt der neuen Dienstherrin angeht) etwas ausführlicher:

http://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/ALSH/_startseite/artikel/morsum.html

Ergänzung vom 26.09.2017: Auch das Blog burgerbe berichtet, berichtet Archivalia 😉

Zu früheren Ausgrabungen auf der Insel in den 1870er Jahren siehe:

Handelmann: Die amtlichen Ausgrabungen auf Sylt. 1873, 75, 77 und 1880 (1882)

https://archive.org/details/bub_gb_82BgAAAAIAAJ

 

 

Zwei Veröffentlichungen zum Kieler Universitätsjubiläum online

Burkard / Harms (Hgg.): Ceso Gramm Chilonium. Novus Holsatiae Parnassus (2015)

http://macau.uni-kiel.de/receive/macau_publ_00001115

http://d-nb.info/1108566405/34

Auge (Hg.): Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 350 Jahre Wirken in Stadt, Land und Welt (2015)

http://macau.uni-kiel.de/receive/macau_publ_00001089

Chilonium. Novus Holsatiae Parnassus

(Abbildung: Titelblatt der Gründungsschrift der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; via Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei)

Schleswig-Holsteinische Jahrbücher 1884/85

Die von Wilhelm Biernatzki nur 1884 und 1885 herausgegebenen Schleswig-Holsteinischen Jahrbücher (Untertitel: „Zeitschrift für die wirtschaftliche Kultur, die sozialen Bestrebungen und das öffentliche Leben der Gegenwart“) sind jetzt allgemein online zugänglich:

Schleswig-holsteinische Jahrbücher Bd. 1 (1884)
https://archive.org/details/SHJahrbuecher_1_gb_-NUrAQAAIAAJ

Schleswig-holsteinische Jahrbücher Bd. 2 (1885)
https://archive.org/details/SHJahrbuecher_2_gb_AdkrAQAAIAAJ

Katalog zu einer Ausstellung über die Bibliothek des Augustinerchorherrenstifts Bordesholm

Der Begleitkatalog zur Ausstellung „AUFGESCHLAGEN – Universitätsbibliothek Kiel öffnet ihre Buchschätze des Bordesholmer Klosters“ von 2002 ist nach wie vor online. Auf dem  Titelblatt wird er als Vorauspublikation zu einem Sammelband bezeichnet. Letzterer schein aber offenbar nie erschienen zu sein.

https://www.ub.uni-kiel.de/ausstellungen/aufgeschlagen/bilder/bordesholmkatalog.pdf

(Abbildung: Einband der Bordesholmer Buchbinderwerkstatt.
Foto/Copyright: Unibibliothek Kiel – via website UB KielLizenz)

Lübecker Drucke aus dem 16. Jahrhundert

Folgende Drucke niederdeutscher Schriften, die offenbar um 1550 in Lübeck gedruckt wurden, finden sich in den digitalisierten Beständen der UB Tübingen. Dorthin sind sie aus dem Nachlass Ludwig Uhlands gelangt.

a) Lieder

„Dre lede volgen“ (1542)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_8/0003

„Dre lede volgen“ (1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_6/0003

„Eyn hübsch nye Ledt, de Eppele van Geillingen is he genanth: Im thone Idt was ein frisscher frier“ (ca. 1548)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_12/0004

„Söss Lede“ (ca. 1548) [unvollständiges Digitalisat?]

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_9/0003

„Twe lede volgen“ (ca. 1550)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_4/0003

***

b) Fastnachtschriften

Bado, M.: „Clawes Bwer“ (ca. 1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_2/0003

„Ein gantz schöne Vastelauendes gedicht, rimes wise vthgelecht , worinne etliker Buren bedregerie yegen de Börgers klarlick vorstendiget wert“ (ca. 1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_1/0005

***

c) Sonstiges

 

„Erzählung von dem an Johann Diaz verübten Brudermord“ (1546) [unvollständiges Digitalisat?]

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_11/0003

 

„Ein Schöne Spil, wo men böse Frouwens främ maken kann“ (ca. 1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_5/0003

„Eyn schön rimbökelin, worinne vele lüstige, nütte vndkünstige spröke voruatet vorvatet, welckere gantz körtwilich vnd lefflick tho lesen synt: dörch einen guden fründt, vth dem Reineken Vosse vnd andern Böken tohope gelesen“ (1548)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_3/0003

Wird die Waldemarsmauer bald verschleudert wie ein defizitäres Schwimmbad?

Die „Schleswiger Nachrichten“ berichten dieser Tage über außergewöhnliche Sparpläne des Kreises Schleswig-Flensburg:

https://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/kreis-schleswig-flensburg-lockt-mit-negativem-kaufpreis-id16913926.html

Besagte Pläne berühren nicht nur den Wanderweg am Haddebyer Noor (in der Umgebung Haithabus) und die Angelner Dampfeisenbahn, sondern auch das Danewerk. Zumindest bei letzterem handelt es sich fraglos um ein wertvolles Kulturerbe, wenngleich die unter Beteiligung des Landes angestrengte Einstufung als Unesco-Welterbestätte bislang nicht von Erfolg gekrönt war.

Bereits im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass der Kreis knapp 1,5 Kilometer Danewerk von Thyraburg bis Schanze XIV gern dem Sydslesvigsk Forening übereignen wollte (siehe die Meldung bei Archivalia). Dem neuen Zeitungsbericht zufolge ist man jetzt vielleicht sogar bereit draufzuzahlen. Als Vorbild wird der Ausstieg aus der defizitären Fördeland-Therme genannt.

Die Verantwortlichen des Kreises empfinden es offenbar nicht als Widerspruch, das Danewerk auf der eigenen  Webseite  weiterhin als „Kulturort“ zu preisen, es aber andererseits wie ein x-beliebiges Abschreibungsobjekt zu behandeln. Verantwortungsvolle Kulturpolitiker, die einem wohl zweifellos vorhandenen Sparzwang Grenzen aufzeigen könnten, scheinen in der Region nicht mehr existent zu sein. Überkommen scheint inzwischen auch der Gedanke, dass durch Waldemarsmauer, Dampfeisenbahn und Wanderweg der Tourismus gefördert wird, von dem wiederum Einzelhandel, Gastronomie etc. profitieren.

Man darf gespannt sein, ob der Kreis tatsächlich Abnehmer für die genannten Objekte findet, und falls ja, welche Folgen dies haben wird.

Danewerk Museum vall 2014b

Bild: Holger Ellgaard (Eigenes Werk), via Wikimedia Commons , Lizenz: CC BY-SA 4.0