Niederdeutsche geistliche Texte aus dem Mittelalter

Auf Archivalia wurde jüngst mehrfach auf niederdeutsche mittelalterliche Handschriften hingewiesen, die dieser Tage durch die Lübecker Stadtbibliothek digitalisiert und online gestellt wurden. Diese sowie einige andere verfügbare Bände seien Interessierten auch hier zur Einsichtnahme empfohlen. Weitere Information zu den Lübecker Titeln bietet P. Hagen: Die deutschen theologischen Handschriften der Luebeckischen Stadtbibliothek (1922), verfügbar im Internet Archive:

Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. germ. 2° 1: Sammlung asketischer Traktate und legendarischer Stücke,

http://digital.stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/resolver?urn=urn%3Anbn%3Ade%3Agbv%3A48-1-1688944

aus dem Michaeliskonvent zu Lübeck

(Meldung des Digitalisats bei Archivalia am 22.02.2019).

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Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. germ. 2° 2: Passional, 1471

http://digital.stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:48-1-1673543

ebenfalls mit Besitzvermerk des Lübecker Michaeliskonvents.

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Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. germ. 4° 23: Marienleben, 1489

http://digital.stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:48-1-803720

Als Schreiber nennt sich am Ende ein gewisser Hans Stortekare. Googelt man den Nachnamen zeigen sich verschiedene Namensträger des 15. u. 16. Jahrhunderts in Hamburg. Die Notizen zu Erwerb und Stiftung um 1500 sind weder bei Hagen noch im Handschriftencensus erwähnt. Als Namen eines Käufers lese ich „Tymme Holm“. Googelt man diesen Namen stößt man u.a. auf einen Lübecker Kaufmann (z.B. hier und hier). Eine Entstehung der Hanschrift nördlich der Elbe dürfte somit recht wahrscheinlich sein.

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Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. germ. 4° 19: Sammlung verschiedener Schriften, beginnend mit der Legende der Heiligen Anna, 15. Jh.

http://digital.stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:48-1-1657951

Enthält als Makulatur noch das Blatt einer anderen (lateinischen) Handschrift.

Der Handschriftencensus verzeichnet nur die im Band enthaltene „Apokalypse“, obgleich Hagen eine vollständige Inhaltsangabe bietet.

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Lübeck, Stadtbibliothek, Ms. theol. germ. 4° 29: Sammelhandschrift (nd.) mit Schriften zur Gründung des Franziskanerordens

http://digital.stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/!image/Mstheolgerm429/1/-/

Mit Besitzvermerk des Lübecker Michaeliskonvents und weiteren Notizen am Ende. Ferner wohl ein Fragment von anderer Hand.

(Meldung des Digitalisats bei Archivalia am 19.03.2019)

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Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. Ms. theol. 243 – Gebetsbuch, 14./15. Jh.

http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN1066663408

mit kleinen Illustrationen (s.u.).

(Metadaten-Kritik, in Bezug auf eine andere Handschrift, bei Archivalia)

goettinger_hs2

(Abbildung: Nachtigal, Kuckkuck und weitere Tiere, Detail aus der Göttinger Handschrift Cod. Ms. theol. 243)

 

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Leseproben der Zeitschrift „Natur- und Landeskunde“

Die Zeitschrift „Natur- und Landeskunde“, die vor 15 Jahren die Nachfolge der „Heimat“ antrat, ist bis zum Jahrgang 2012 bereits seit längerem online verfügbar:

http://resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/PPN846069997

Auf seiner Webseite weist der herausgebende Verein auf dieses Angebot zwar nicht hin, stellt jedoch für die Ausgaben ab 2006 Inhaltsverzeichnisse mit einigen Texten als Leseprobe bereit:

http://www.natur-und-landeskunde.de/leseproben.html

U.a. erhält man Zugriff auf:

Günther Bock: Ratzeburg und die Billunger – Polabien als slawisch-sächsische Kontaktregion des 11. und 12. Jahrhunderts (2015)

http://www.natur-und-landeskunde.de/leseproben/122_2015/Bock.pdf

Thomas Steensen: Der Husumer und Hamburger Schriftsteller Albert Petersen (2017)

http://www.natur-und-landeskunde.de/leseproben/124_2017/Steensen.pdf

 

Nicht verschwiegen werden soll, dass der Verein im September das 125-jährige Jubiläum der Zeitschrift mit einer Tagung in Sankelmark begeht.

Zwei mittelalterliche Handschriften aus Segeberg online

Auf Archivalia  wurde vor einigen Tagen auf neue Handschriften-Digitalisate im Online-Angebot der Prager Nationalbibliothek hingewiesen. Dank des mitgelieferten Links konnte ich kurz und schnell eine Recherche durchführen, die ich bereits seit längerem im Sinn hatte. Diese ging um die Frage, ob einige der in Prag lagernden Codices aus dem früheren Augustinerchorherrenstift Segeberg (bzw. aus der Bibliothek Heinrich Rantzaus, in dessen Besitz sie nach der Reformation gelangten) inzwischen im Netz verfügbar sind.

Fazit: Bei der Suche nach „Segeberg“ im Provinienz-Feld erhält man eine Trefferliste mit acht verschiedenen Büchern.  Sechs von ihnen stammen aus der Bücherei des mittelalterlichen Stiftes. Von diesen sechs Bänden lassen sich wiederum zwei online einsehen.

Digitalisiert ist zum einen der Codex „IX.F.10″, ein Breviarium  aus der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts:

http://www.manuscriptorium.com/apps/index.php?direct=record&pid=AIPDIG-NKCR__IX_F_10_____1T5MQE9-cs

Gleiches gilt für den Band mit der Signatur „VII.E.17“, eine geistlich-theologische Sammelhandschrift aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts

http://www.manuscriptorium.com/apps/index.php?direct=record&pid=AIPDIG-NKCR__VII_E_17____3ZLCD13-cs

Wie die Bücher in den Besitz Heinrich Rantzaus gelangten, verrät eine Notiz im leider noch nicht digitalisierten Codex  „39.D.15“ , in dem vermerkt ist:

„Dies buech hatt der Herr Stadthalter neben etzliche andere mehr ex bibliotheca Segebergensi an sich genohmen und dafür die tomos operum doct. Martini Lutheri in die Kirche zu Segeberge gegeben anno 1583 aetatis suae 58. Hinrich Rantzow m. p.“

Eine Digitalisierung steht auch für den Band „XVI.E.21“ noch aus, welcher neben einem Rechtstext verschiedene Hebungsregister und Rechnungen des Stiftes aus dem Zeitraum 1444-1486 enthält und deswegen für die Landesgeschichte von besonderem Interesse ist.

Die Existenz des Textbestandes ist der Forschung zwar seit langem bekannt (siehe zum Codex „XVI.E.21“ etwa die Texte von Lisch in den Mecklenburgischen Jahrbüchern 1862, S. 287f.; Steffenhagen in der ZSHG 1884,  S. 303ff. oder Jellinghaus in der ZSHG 1890, S. 55ff.), dennoch steht zu hoffen, dass uns in nicht allzu ferner Zukunft alle Prager Handschriften aus Segeberg online zur Verfügung stehen werden.