Mittelalterliche Handschriften des Lübschen Rechts

Archivalia meldete, dass der vor einiger Zeit im russischen Jurjewetz wiederentdeckte „Bardewiksche Codex“ des Lübischen Rechts online verfügbar ist:

https://archivalia.hypotheses.org/146601

Mehr Information – auch andere Handschriftendigitalisate und Kartenmaterial – gibt es auf der zugeordneten Themenseite „Lübsches Recht Digital“:

https://digi.ub.uni-heidelberg.de/lrd

Hier ergänzt sei noch ein Hinweis auf die Handschrift „Thott 1003 kvart“ KB Kopenhagen, die auf das 14. Jahrhundert datiert wird (wobei zu berücksichtigen ist, dass die Metadaten zum Digitalisat ganz offensichtlich nicht fehlerfrei sind):

http://www5.kb.dk/manus/vmanus/2011/dec/ha/object112293/da/

Große Ausgrabung am Danewerk (mit Blog)

Im Zuge des Abrisses des alten Danewerk-Museums wird in den kommenden Wochen eine großangelegte archäologische Grabung durchgeführt, bevor das Gelände dann anschließend neu bebaut wird (Meldungen veröffentlichten u.a. der „Nordschleswiger“ und der NDR). Das nun zu untersuchende Areal liegt nahe dem vor einigen Jahren gefundenen mittelalterlichen Tor-Durchgang. Begleitet wird die Tätigkeit der Forscher durch ein Blog:

http://archaeologie.haithabu-danewerk.de/

Projektvorstellung: Untersuchung von Aristokratie und bürgerlichen Eliten in Handelsstädten des südwestlichen Ostseeraumes (12.–14. Jh.)

Luisa Radohs, Städtische Elitekultur. Eine methodologische Untersuchung von Aristokratie und bürgerlichen Eliten in Handelsstädten des südwestlichen Ostseeraumes (12.–14. Jh.), in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte 5 (2022), S. 53–56, DOI: 10.26012/mittelalter-27994.

Mittelalterliches Testament eines auf Föhr bepfründeten Priesters

NLA ST Rep. 3 Zeven Nr. 123

„Testament des Pfarrers Siegfried Peine zu St. Nikolausland in der Schleswiger Diöcese“ v. 16. Mai 1426

http://www.arcinsys.niedersachsen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v1190699

„St. Nikolausland“ in der Archivbeschreibung ist Nonsens. Nicht unbedingt besser ist das „Frie-land“ im Regest der Edition (UB Kloster Zeven, Nr. 139). In der Quelle ist die Rede von der „parochialis ecclesiae sancti nicolai terre ffuer(?)“, lt. Edition: „Friee“, im Bistum Schleswig. „Terre“ deutet auf eine Insel – siehe das für Fehmarn oft verwendete „terre ymbrie“.

Dass tatsächlich wohl die Insel Föhr gemeint ist, bestätigt ein schnelles googeln, über das man gleich auf Westphalen II, Sp. 374-378 (Vgl. Nr. 310 im UB Kiel) verwiesen wird. Zweimal fungiert Sifridus Peynis demnach am 16. Oktober 1424 in Stade als Zeuge und zwar mit dem Titel eines Kirchherrn auf Föhr. Ohne Pfründenangabe taucht er – ebenfalls in Stade – schon 1421 als Zeuge auf (Westphalen II, Sp. 267-271 = UB Kiel, Nr. 287). Mehrere Einträge im Repertorium Germanicum (hier, hier und hier) zeigen Sifridus dann im Frühjahr 1427 beim Streit um eine oder zwei Stader Vikarien. Sein Tod im Laufe dieses Frühjahrs wird in Eingaben eines Gegenspielers zumindest behauptet.

Das Testament erscheint mir vor allem mit Blick auf die ausführlichen Bestimmungen zur Versorgung der „Magd“ und deren Tochter recht interessant. Wahrscheinlich handelt es sich um Frauen in Stade – oder sollte es sich vielleicht doch um Insulanerinnen gehandelt haben?