Klosterbuch SH/HH erscheint (nun wirklich)

Was lange währt, wird hoffentlich gut: Nachdem der Erscheinungstermin über Jahre hinweg immer wieder verschoben wurde, kann – lt. Verlagsseite – das von Oliver Auge und Katja Hillebrand herausgegebene „Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg“ seit gestern tatsächlich bestellt werden.

Reisefreudige können zur Feier der Veröffentlichung morgen auch in Berlin eine Veranstaltung in der Landesvertretung besuchen.

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Die 5 wichtigsten Bücher zur Geschichte Fehmarns jetzt alle im Netz

Nachdem die BSB München nun auch mein viertes Wunschbuch online gestellt hat (Danke dafür!) und Herr Wolgast mit der Veröffentlichung seiner Dissertation im Internet einverstanden ist (Danke auch dafür!), sind nun die in meinen Augen fünf wichtigsten Bücher zur Geschichte der Insel Fehmarn online zugänglich. Nämlich – gereiht nach Erscheinen:

Friedrich Wilhelm Otte: Oekonomisch-statistische Beschreibung der Insel Fehmern (1796)

http://digital.slub-dresden.de/id331553368

Eine aufklärerisch-kritische Bestandsaufnahme vor allem der sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten am Ende des 18. Jahrhunderts – überwiegend im Verbund mit Verbesserungsvorschlägen des Verfassers. Das Werk ist gleichermaßen als Literatur wie als Quelle von Wert.

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Georg Hanssen: Historisch-statistische Darstellung der Insel Fehmarn (1832)

http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10457125-0

https://books.google.de/books?id=R5w2hqV6nlQC&printsec=frontcover

Dass der bedeutende Impulsgeber der Agrargeschichte in Deutschland sich (aufgrund verwandtschaftlicher Verbundenheit) ausgerechnet mit Fehmarn ausführlich beschäftigte, kann nur als Glücksfall bezeichnet werden. Nach wie vor unverzichtbar.

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Johannes Voss: Chronikartige Beschreibung der Insel Fehmarn (1889/1891)

Bd 1, 1889:

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960390_color.pdf (farbig)

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960390_bw.pdf (sw)

Bd. 2, 1891 (mit Register für beide Bände):

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960420_color.pdf (farbig)

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960420_bw.pdf (sw)

Die erste ausführliche – und bis heute nicht übertroffene – Gesamtdarstellung der Inselgeschichte bis in die preußische Zeit. Als Werk der „Heimatkunde“ nicht ohne genretypische Schwächen (kaum Fußnoten oder nachvollziehbare Quellenangaben). Nach meiner Erfahrung jedoch in der Regel zuverlässig und frei von den Fantastereien mancher Nachfolger.

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Kurt Düring: Das Siedlungsbild der Insel Fehmarn (1937)

http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00119574-2

Trotz des heute ungewöhnlich wirkenden Ansatzes eine ziemlich gründliche Darstellung mit vielen wertvollen Anregungen, Quellenhinweisen und Abbildungen. Die Verbundenheit des Verfassers mit dem Nationalsozialismus tritt nur selten offen zu Tage (wie etwa auf S. 25: „Entscheidend aber ist daß die politische Aktivität [Waldemars II.] von einer Ausdehnung des dänischen Volksbodens nicht begleitet ist; den kriegerischen Eroberungen fehlt die tragende Kraft des Bauerntums“) . Freilich sollte sie allen Lesenden stets bewußt sein.

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Günther Wolgast: Landesherrschaft und kommunale Selbstregierung auf der Insel Fehmarn. Ein Beitrag zum Verhältnis landesherrlicher Administration und autonomer bäuerlicher Rechtsgemeinden. Diss. Hamburg 1974.

https://archive.org/details/wolgast_landesherrschaft

Eine ausführliche Darstellung vor allem der Entwicklung kommunal- und regionalpolitischer Institutionen vom Mittelalter bis 1867, die für weitere Forschungen eine recht sichere Grundlage und ebenfalls Anregungen und Hinweisen bietet.

Kirchner - Haus auf Fehmarn

Abbildung: Gemälde „Fehmarn-Häuser“ von Ernst Ludwig Kirchner; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: Gemeinfrei

Nicht unter den Top 5, aber ehrenvoll erwähnt seien:

Urkundensammlung der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte Bd. III.2 = Fehmarnsche Urkunden und Regesten. Hg. v. [Karl] Kohlmann (1880)

https://archive.org/details/urkundensammlun00hillgoog/page/n171

Es ist dies war nicht – wie oft gemeint wird – „das Fehmarnsche Urkundenbuch“ (s. das Vorwort), doch zweifellos ist in dem Band eine Menge wichtigen Quellenmaterials des 15. und 16. Jahrhunderts verzeichnet und abgedruckt. In den Fällen, die ausschließlich regestriert wurden, empfiehlt es sich aber, sicherheitshalber das Original anzusehen. Nicht weil das Regest sinnentstellend falsch wäre, sondern weil zuweilen wichtige Informationen des Originaltextes nicht aufgenommen wurden. Die Fußnoten zu den spätmittelalterlichen Burger Testamenten in Fußnoten ignoriert man auch besser.

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Johann Peter Wurm: Fehmarn unter lübischer Pfandherrschaft 1437-1491, in: ZVLGA 79 (1999), S. 94-118

https://vlga.de/file/zvlga_79_1999.pdf

Was die Betrachtung einer einzelnen Epoche betrifft, wohl die beste bislang vorliegende Veröffentlichung zur Geschichte der Insel.

 

Materialien von ganz links

Im Datenbankprojekt Materialien zur Analyse von Opposition (MAO) findet sich auch einiges über und aus Schleswig-Holstein, entweder per Liste oder mit Hilfe der Suchfunktion.

Einblick gibt es unter anderem in eine epd-Dokumentation über „Politpastoren“ aus dem Jahr 1974:

https://www.mao-projekt.de/BRD/NOR/KIR/NOR_KIR_1974_Ellerau_Bramfeld.shtml

Oder einen kommunistischen Rückblick auf den Metallarbeiter-Streik von 1956:

https://www.mao-projekt.de/BRD/NOR/S-H/Schleswig-Holstein_Kommunalwahl_1978_KBW/Schleswig-Holstein_KBW_Kommunalwahl_1978_5.shtml

 

 

Anno 2019 ist es soweit: SH will die Digitalisierung im Kulturbereich

Vor einigen Wochen, am 22. Mai, wurde mit Martin Lätzel nicht nur der neue Leiter der schleswig-holsteinischen Landesbibliothek vorgestellt. Die Kultusministerin präsentierte außerdem den „Digitalen Masterplan Kultur“ ihres Hauses und verkündete im Zusammenhang hiermit die Erweiterung der Bibliothek um ein „Zentrum für Digitalisierung und Kultur“. Weitere Umgestaltungen der Landesbibliothek wurden ebenfalls bekannt gegeben.

Pressemitteilung des Ministeriums 1:

https://schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/III/Presse/PI/2019/Mai_2019/III_Landesbibliothek.html

Verlautbarung des Ministeriums 2:

https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/III/_startseite/Artikel_2019/Mai_19/190522_landesbibliothek_masterplan_digitalisierung.html;jsessionid=6B517E1DB893FA73B91546BE0F4E3D64

Artikel der „Welt“:

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article193939653/Landesbibliothek-im-Norden-auf-Digitalisierungskurs.html

Artikel der Kieler Nachrichten zur „Digitalisierungsoffensive“

https://www.kn-online.de/Nachrichten/Kultur/Neuer-Leiter-der-Landesbibliothek-SH-plant-Digitalisierungsoffensive

Aufmerksame BeobachterInnen hätten vielleicht ahnen können, dass etwas im Busch ist, als die Landesbibliothek im März einen eigenen Twitter-Account (@shlb_kiel) einrichtete. Ihr neuer Leiter twittert schon wesentlich länger und blogt auch.

Wird damit jetzt alles gut? – Die Ministerin fordert Geduld:

Soll wohl heißen: An den oft beklagten Zustände (d.h. einer Landesbibliothek ohne ein einziges Digitalisat auf ihrer Webseite, einer für die Öffentlichkeit seit geraumer Zeit auf dem Stand von 2015 verharrenden Landesbibliographie, einer nur in bescheidenem Maße digitalisierenden Kieler UB, einem nicht an Nachnutzung digitaler Sammlungen orientierten Museumportal etc.) wird sich so schnell offenbar nichts ändern.

Wer im  „Masterplan“ nach Hinweisen auf baldige, konkrete Verbesserungen sucht, wird enttäuscht. Das neue Digitalisierungszentrum an der Landesbibliothek erscheint vorrangig als Wissensvermittler und Netzwerkbilder. Über zusätzliche Finanzmittel und verbesserte Personalausstattung derer, die digitalisieren sollen, wird kaum etwas gesagt. Gemessen am derzeitigen Zustand positiv ist, dass die „Digitalisierung des Kulturellen Erbes als dauerhafte Fachaufgabe“ festgeschrieben wird und dabei „Informationen im Sinne der Open Science oder des Open Access grundsätzlich öffentlich zugänglich sein sollen“.

Relativ konkret erscheinen im Masterplan allerdings schon einige Plattformen, die von den Einrichtungen im Lande künftig intensiver bespielt werden sollen, namentlich kultursphäre.sh,  digiCult und KuLaDig. Das letztgenannte Portal war mir in Bezug auf Schleswig-Holstein noch kein Begriff. Allerdings erschienen dort zuletzt mehrere Artikel zu ehemaligen Burgen und Befestigungen im Land, z.B. zur Burg Glambek auf Fehmarn.

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Vermutlich nicht zufällig folgte, nur wenige Tage nach der Veranstaltung in der Kieler Landesbibliothek, auf Schloss Gottorf die Konferenz „Die digitale Zukunft der Kultur“, ausgerichtet durch den Landeskulturverband. Ausführlich wurde unter dem Hashtag „digitaleZukunftSH“ hierüber getwittert. Eine Erkenntnis war: „In Bezug auf Digitalisierungsprozesse in Kulturbetrieben müssen wir glücklicherweise nicht immer weit in den Süden schauen. Jetzt geht der Blick zu unserem Nachbarn nach Hamburg. Silke Oldenburg stellt uns die Strategie des Museums für Kunst und Gewerbe vor.“ – Wirklich in den Norden, wo man hat man in Sachen digitale Sammlungen nicht nur Schleswig-Holstein meilenweit voraus ist, wurde anscheinend nicht geschaut. Es überrascht, dass es im gesamten Tweet keinen Hinweis auf die in Skandinavien geleistete Arbeit gibt. Immerhin war aber open access auf der Konferenz ein Thema:

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Am 5. Juni eine weitere Meldung. Der Kulturstaatssekretär eröffnet das „Digitale Archiv Schleswig-Holstein (DASH)“:

https://www.egovernment-computing.de/schleswig-holstein-eroeffnet-digitales-archiv-a-836312/

Man liest u.a.: „Die neu kreierte Software arcinsys [sic!] ermögliche es zum Beispiel jedem, über das Internet von jedem Ort aus digitale, aber auch analoge Archivalien im Landesarchiv zu suchen und zu bestellen.“

Auf der Seite des Landesarchivs selbst wird das DASH bis heute (15. Juli) nicht erwähnt. Auch sonst habe ich als Nutzer am Heim-PC noch keine Änderungen feststellen können. Für Recherchen bin ich weiterhin auf einige pdf-Findbücher und die grobe Bestände-Übersicht angewiesen.

Es gilt wohl hier ebenfalls das Wort der Ministerin: „Gemach – Geht jetzt los“.

Ergänzung vom 19.07.2019: siehe hierzu auch die kritische Anmerkungen auf Archivalia vom 28. Juni

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Alles in allem ist ein Aufbruch festzustellen. Und eine Aufbruchsstimmung wird auf digitalen Kanälen (s. @shlb_kiel) verbreitet. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt, wobei ich mich von einer Skepsis leider nicht frei machen kann. Hoffentlich konzentrieren sich alle Beteiligten in der Digitalisierung des kulturellen Erbes nicht auf das, was ihnen andere Stellen (BSB München, KB Kopenhagen etc.) faktisch längst abgenommen haben, sondern bringen wirklich neue Dinge ins Netz.