Rantzoviana

Im Rahmen der Jahrestagung des Arbeitskreises Sozial- und Wirtschaftsgeschichte SH auf dem Koppelsberg bei Plön stellte am 13. Mai die „Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau“ sich und ihre Aktivitäten vor. Zugegeben: Ich hatte dem Programmpunkt im Vorfeld mit leichter Skepsis entgegen gesehen. Diese verflüchtigte sich jedoch schnell angesichts einer sehr ansprechenden und überzeugenden Präsentation.

Die erst im vergangenen Jahr gegründete Segeberger Initiative bemüht sich, den seinerzeit berühmten Adligen, Politiker und Gelehrten wieder stärker ins allgemeine Bewußtsein der Region zu rücken. Dank vielfältiger und einfallsreicher Mittel sind offenbar bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Unter anderem wurde eine jährliche Veranstaltung zum Geburtstag Rantzaus etabliert, die bis mindestens bis zum namensgebenden Fernziel durchgehalten werden sollen.  Es beeindruckt, was eine handvoll Aktive in Sachen praktischer Geschichtsdidaktik zu leisten vermögen. Hieran könnte sich so mancher alteingesessene Geschichtsverein ein Beispiel nehmen.

Zu ihrem Vortrag hatten die Mitglieder der Arbeitsstelle eine umfangreichen Dokumentation von Fachliteratur über Heinrich Rantzau mitgebracht, die von ihnen erstellt und in gebundener Form über die Stadtbücherei Bad Segeberg der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde.  Diese Tätigkeit könnte in Bezug auf Quellen leicht fortgesetzt werden; denn vor allem dank arkivalieronline ist eine Vielzahl von Dokumenten im Netz verfügbar, die entweder von Heinrich Rantzau stammen oder mit ihm in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Vorrangig sind die Berichte des Statthalters Heinrich Rantzau an den dänischen Hof zu nennen (Bestand: Reichsarchiv Kopenhagen, Tyske Kancelli – indenrigske afdeling, Slesvig-holsten-lauenburgske Kancelli, Statholder Henrik Rantzaus relationer 1555 – 1598):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/other/index-creator/150/997781/20017862

[Ergänzung v. 25.09.2017] Einblicke vor allem in die politische Arbeit Heinrich Rantzaus gewähren auch die „Akter vedr . de kgl. og hertugelige rådersmøder, rådslagninger og beslutninger“ aus der Tyske Kancelli (indenrigske afdeling):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20017960#275113,52814584

Des weiteren befinden sich im sog. Hansborg-Archiv viele Briefe Heinrich Rantzaus an Herzog Johann d.Ä. von Schleswig-Holstein-Hadersleben (Bestand: Reichsarchiv Kopenhagen, De sønderjyske fyrstearkiver, Hans den Ældre, Indkomne breve):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291122#215455,41315918

Auf Seiten der Postausgänge, der sog. „Lukkede Breve“, finden sich entsprechend Briefe Johanns d.Ä. an Heinrich Rantzau, die allerdings nicht ohne Durchsicht der Registranten zu ermitteln sind. Nur für die ersten vier Registrant-Bände (1543-1559) existiert eine digitalisierte Zettelkartei, die den Zugriff auf relevante Dokumente erleichtert. Aus dem Registrant Nummer 10, den ich probehalber einmal eingesehen habe, lassen sich folgende Schreiben anführen:

In den „Breve til andere“ des Hansborg-Archivs stößt man unter anderem auf:

Zugang zu Briefen an Heinrich Rantzau, vor allem von Tycho Brahe, bietet:

http://emlo.bodleian.ox.ac.uk/forms/advanced?people=rantzau

***

Abschließend sei bemerkt, dass der wikisource-Seite mit Werken von und über Heinrich Rantzau ein wenig Aufstockung gut zu Gesicht stünde. Bereits mit Nennung der nicht wenigen, allein im Internet-Archive vorhanden Werke wäre viel gewonnen. Erwähnenswert ist sicher auch:

Dieter Lohmeier: Das „Rantzauer Zeitalter“ der schleswig-holsteinischen Geschichte, in: Demokratische Geschichte 13 (2000), S. 9ff.: http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_13/Demokratische_Geschichte_Band_13_Essay_2.pdf

Rantzau_Obelisk

(Abbildung aus Lindeberg: Hypotyposis arcium palatiorum et monumentorum, ab Henr. Ranzovio, pro rege Holsato, conditorum (Hamburg 1591) – Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek)

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Zeitschrift „Abgestaubt“ – Ausgabe 5 (2017)

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/abgestaubt_5_2017.pdf

Enthält u.a.

„Frühneuzeitliches Bestattungswesen in der Gemeinde Schwedeneck, Kr. Rendsburg-Eckernförde. Archäologische und schriftliche Quellen in komplementärer Sicht“ von Eva Drechsler

„Von der Dorfkirchenbewegung zum radikalen Deutschen Christen. Der Moorburger Pastor Georg Gerdts (1895–1960), unter besonderer Berücksichtigung eines Briefwechsels mit Landesbischof Franz Tügel“ von Hansjörg Buss

Zwei Veröffentlichungen zum Kieler Universitätsjubiläum online

Burkard / Harms (Hgg.): Ceso Gramm Chilonium. Novus Holsatiae Parnassus (2015)

http://macau.uni-kiel.de/receive/macau_publ_00001115

http://d-nb.info/1108566405/34

Auge (Hg.): Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. 350 Jahre Wirken in Stadt, Land und Welt (2015)

http://macau.uni-kiel.de/receive/macau_publ_00001089

Chilonium. Novus Holsatiae Parnassus

(Abbildung: Titelblatt der Gründungsschrift der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; via Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei)

Lübecker Drucke aus dem 16. Jahrhundert

Folgende Drucke niederdeutscher Schriften, die offenbar um 1550 in Lübeck gedruckt wurden, finden sich in den digitalisierten Beständen der UB Tübingen. Dorthin sind sie aus dem Nachlass Ludwig Uhlands gelangt.

a) Lieder

„Dre lede volgen“ (1542)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_8/0003

„Dre lede volgen“ (1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_6/0003

„Eyn hübsch nye Ledt, de Eppele van Geillingen is he genanth: Im thone Idt was ein frisscher frier“ (ca. 1548)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_12/0004

„Söss Lede“ (ca. 1548) [unvollständiges Digitalisat?]

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_9/0003

„Twe lede volgen“ (ca. 1550)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_4/0003

***

b) Fastnachtschriften

Bado, M.: „Clawes Bwer“ (ca. 1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_2/0003

„Ein gantz schöne Vastelauendes gedicht, rimes wise vthgelecht , worinne etliker Buren bedregerie yegen de Börgers klarlick vorstendiget wert“ (ca. 1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_1/0005

***

c) Sonstiges

 

„Erzählung von dem an Johann Diaz verübten Brudermord“ (1546) [unvollständiges Digitalisat?]

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_11/0003

 

„Ein Schöne Spil, wo men böse Frouwens främ maken kann“ (ca. 1547)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_5/0003

„Eyn schön rimbökelin, worinne vele lüstige, nütte vndkünstige spröke voruatet vorvatet, welckere gantz körtwilich vnd lefflick tho lesen synt: dörch einen guden fründt, vth dem Reineken Vosse vnd andern Böken tohope gelesen“ (1548)

http://idb.ub.uni-tuebingen.de/diglit/DkXI1609_3/0003

Flensburger Stadtfeldkarte von 1779

Die von Hans Jochim Jürgensen 1779  angefertigte Karte des Flensburger Stadtfeldes ist seit längerem samt Erläuterungen über die SLUB Dresden verfügbar:

http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/66355/29/

Lediglich die Karte, dafür aber nach meinem Eindruck in wesentlich besserer Auflösung, erhält man auch über die Portugiesische Nationalbibliothek:

http://purl.pt/4072/3/

Ergänzung v. 30.05.2017: Zum Flensburger Stadtfeld erschien bereits 1754 die Druckschrift „Nachricht von dem Flensburgischen Stadt-Felde, als eine Beschreibung der Stadt-Gräntzen, welche Anno 1558. von Burgermeistern und Raht und der gantzen Bürgerschafft beritten und verneuert worden; samt einem Verzeichnis der Gräntz-Steine, womit E. E. Raht und Bürgerschafft das Stadt-Feld Anno 1601 umbsetzen und bestapeln lassen ; gemeinen Nutzens halber aus der Stadt Flensburg altem Erdbuche zum Druck befordert

http://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/image/PPN885247612/1/

Rund um das Rathaus von Wilster

Erst dieser Tage wurde ich auf die Webseite des „Fördervereins Historische Rathäuser in Wilster e.V.“ aufmerksam. Neben vielfältigen Informationen zu den Vereinstätigkeiten werden verschiedene Texte zur Stadtgeschichte bereitgestellt, z.B.

700 Jahre Stadt Wilster – das Alte Rathaus (O. Neumann, 1982)

Ein noch zu hebender Schatz in der Dooseschen Bibliothek in Wilster (O. Neumann, 1973)

Die Bibliothek „Witt-Warstede“ im Alten Rathaus zu Wilster (K. Lammers, 1969)

Auszüge aus „Die Hexenprozesse von Wilster im Kontext der europäischen Hexenverfolgung des 17. Jahrhunderts“ (M. Koch, 1991)

 

Verwaltungsgeschichte als Alltagsgeschichte

Der 2010 veröffentlichte Aufsatz von Stefan Brakensiek mit dem Titel „Verwaltungsgeschichte als Alltagsgeschichte. Zum Finanzgebaren frühneuzeitlicher Amtsträger im Spannungsfeld zwischen Stabsdisziplinierung und Mitunternehmerschaft“ (erschienen in: Hochedlinger/Winkelbauer: Herrschaftsversdichtung, Staatsbildung, Bürokratisierung, Verfassungs- und Behördengeschichte der frühen Neuzeit. Wien 2010, S. 271-290) ist online verfügbar. Er dürfte für entsprechende Forschungen nördlich der Elbe anregend und hilfreich sein:

https://www.uni-due.de/~hg0090/pdfe/Brakensiek_Verwaltungsgeschichte%20als%20Alltagsgeschichte.pdf

2015 erschien der Sammelband „Praktiken der Frühen Neuzeit: Akteure – Handlungen – Artefakte“, der auf eine Tagung der AG Frühe Neuzeit zurückgeht. Insbesondere einige Aufsätze der Sektionen „Praktiken frühneuzeitlicher Amtsträger und die Praxis der Verwaltung“ sowie „Praktiken der Heuchelei? – Funktionen und Folgen der Inkonsistenz sozialer Praxis“ lohnen, ebenfalls berücksichtigt zu werden. Eine ausführlichere Leseprobe des Bandes bietet google-books:

https://books.google.de/books?id=WPJrDAAAQBAJ&printsec=frontcover