Hansischer Handschriftenkatalog

Der Katalog zum Handschriftenbestand „Hamb., Brem., geogr., lit. germ“ der Lübecker Stadtbibliothek ist jetzt online:

http://digital.stadtbibliothek.luebeck.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:48-1-848376

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Erstausgabe der „Femaria desolata“ online

Kein Ereignis der Geschichte Fehmarns ist im regionalen Geschichtsbewußtsein der Insel fester verankert als die Eroberung durch den dänischen König Erich „der Pommer“ und seine Truppen im Jahr 1420, welche mit vielen Gewalttaten einherging. Eine Reihe von Mythen und Legenden verbinden sich hiermit, die sich über Jahrhunderte erhalten haben. Während der Hochinflation in den 1920er Jahren zierten beispielsweise jene Fehmaraner, die die dänische Invasion angeblich zweimal zurückschlugen und anschließend verspotteten, die Notgeldscheine der Stadt Burg. Den mit besagter Episode verbundenen und auf dem Notgeld ebenfalls zu findenden Spruch „Wenn de Koh kann Siede spinnen, schall König Erich uns‘ Land gewinnen“ kannte noch vor einigen Jahrzehnten auf der Insel fast jedes Kind.

Notgeld-Burg_1420

Das Ereignis sorgte indirekt auch für den Beginn einer fehmarnschen Geschichtsschreibung. Im Jahr 1673 veröffentlichte der auf der Insel geborene, durch sein Wirken an der Kieler Universität bekannt gewordene Theologe Christian Kortholt das Büchlein „Femaria desolata, oder: Historische Beschreibung, was gestalt für drittehalb hundert Jahren die Insul Femern vom König Erichen jämmerlich zerstöhret worden“. Diese Schrift ist das frühest überlieferte historiographische Zeugnis, das Fehmarn in seinen Mittelpunkt stellt.

Auf ein Digitalisat der von Kortholts Sohn Sebastian 1695 besorgten Zweitauflage konnte schon geraume Zeit via Google books bzw. die Bayrische Staatsbibliothek zugegriffen werden.

Der KB Kopenhagen ist zu danken, dass nun endlich auch die Erstausgabe von 1673  online verfügbar ist:

http://www.kb.dk/e-mat/dod/114018014649_color.pdf (farbig)

http://www.kb.dk/e-mat/dod/114018014649_bw.pdf (sw)

Ausgabenregister der frühen Gottorfer Zoll- und Amtsrechnungen bis 1550

Im jüngsten Rundbrief des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte Schleswig-Holsteins (Nr. 120) erschien ein Text von mir zu den Ausgabenregistern der spätmittelalterlichen und ersten frühneuzeitlichen Gottorfer Zoll- und Amtsrechnungen, deren Quellenwert m.E. von der Forschung bislang nicht hinreichend beachtet wurde, die inzwischen jedoch zum größten Teil online verfügbar sind.  Wie im Text angekündigt, veröffentliche ich hier eine Liste von Links, die direkt zu den Ausgabenlisten in den betreffenden Rechnungen führen.

Ausgabenregister von Gottorfer Zollrechnungen

1484/85 (bereits veröffentlicht):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118601#279994,54204686

1490/91:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215367,41302962

1494:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215368,41302977

1495:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215368,41302977

1497:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215368,41303050

1498:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215368,41303122

1501:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215369,41303202

1508:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215369,41303295

1510:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215371,41303500

1511:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215371,41303720

1519:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291104#215371,41303798

1542:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118601#279997,54205000

1546:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118601#279997,54205065

1547:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118601#279997,54205131

1548:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118601#279997,54205200

1549:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118601#279997,54205270

***

Ausgabenregister von Gottorfer Amtsrechnungen

1489/90:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291102#215366,41302822

1540:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118573#279976,54201009

1541:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118573#279976,54200842

1542:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20118573#279976,54200735

 

Tagung zum Bischofssitz Schwabstedt für 2018 angekündigt

Während das Bistum Lübeck im Spätmittelalter und der Reformationsepoche inzwischen als recht gut erforscht gelten kann (z.B. dank der Studien und Quelleneditionen von Wolfgang Prange),  hat das frühere Bistum Schleswig insgesamt weit weniger die Aufmerksamkeit  auf sich gezogen. Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung der Tagung „Schwabstedt und die Bischöfe von Schleswig (1268-heute): Eine Rückbesinnung“ für den kommenden Sommer (18. August 2018) sehr zu begrüssen. Die Veranstaltung wird von der regionalgeschichtlichen Abteilung der Uni Kiel organisiert und dürfte mit einem Vorhaben des Abteilungsdirektors Oliver Auge zusammenhängen, der Erarbeitung einer „Geschichte des Bistums und des Domstifts Schleswig“ für die Germania Sacra .

Tagungsteilnehmern sowie allen am Thema Interessenten stehen online eine Reihe relevanter Digitalisate zum Thema zur Verfügung.

„Diverse akter vedr. Slesvig stift og kapitel (1525-1636)“ aus der früheren „Tyske Kancelli – Indenrigske Afdeling“/“Slesvig-holsten-lauenburgske Kancelli“

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/other/index-creator/150/997781/20018030

(Die angegebene Laufzeit sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sammlung auch Abschriften bedeutend älterer Dokumente enthält)

Ebenfalls aus der Tyske Kancelli:  „Akter vedr. den omstridte højhedsret over Slesvig stift (1579-1652)“

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/other/index-creator/150/997781/20017914

Weiteres Material findet sich in  den „Slesvig-holstenske amtsregnskaber“ des Kopenhagener Reichsarchiv, nämlich verschiedene Rechnungen des Schleswiger Domkapitels und des späteren Domkapitel Amts aus dem Zeitraum 1572-1751 sowie diverse Rechnungen und Erdbücher für das Amt Schwabstedt (1587-1689).

Bestandslisten des Schwabstedter Amsarchivs sowie des Bischöflichen Archivs aus dem 16. und frühen 17. Jahrhundert sind in Band V.1 der Reihe „De ældste danske arkivregistraturer“ (1910) verzeichnet:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=18484332#236717,45063501

Band 18 der Reihe „Vejledende Arkivregistratur“ (Lokalarkiver til 1559. Gejstlige Arkiver II: Odense Stift, Jyske Stifter og Slesvig Stift. Erstellt von T. Jexlev, 1977) weist nach, was hiervon bis heute in Kopenhagen zu finden ist:

https://www.sa.dk/ao-soegesider/billedviser?bsid=195888#195888,32775566

Sich allein auf die Überlieferung im Landesarchiv Schleswig  (Abt. 16: Bistum Schleswig; Abt. 162: Amt Schwabstedt; Abt. 169: Domkapitelsamt) zu verlassen, würde also vermutlich zu kurz greifen.

Schwabstedt 01
(Abbildung: Schwabstedt um 1895, Zeichnung von Julius Fürst, via Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei)

Einige mittelalterliche Vorgänge in und um Schwabstedt sind zudem in der Online-Version des Diplomatarium Danicum ediert:

http://diplomatarium.dk/search?from_date=&to_date=&search=Svavsted

Darunter befinden sich auch Vorgänge, die im sog. „Schwabstedter Buch“ enthalten sind. Dieses Kopiar aus dem späten 16. Jahrhundert liegt noch heute im dänischen Reichsarchiv und wurde bereits 1745  durch E.J. Westphalen im 4. Band seiner „Monumenta Inedita“ veröffentlicht:

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/pageview/1612529

Obwohl bereits die ältere Forschung darauf hingewiesen hat, dass diese Edition zahlreiche Fehler enthält (Moller, Jensen, Hansen, Stemann) ist es zu einer Neuausgabe leider nie gekommen.

Arends‘ Nachschlagewerk zur schleswig-holsteinischen Geistlichkeit online

Arends: Gejstligheden i Slesvig og Holsten fra Reformationen til 1864

Bd. I: A-K (1932)

http://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-3642021

Bd. II: L-Ø (1932)

http://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-3648203

Bd. III: Series Pastorum (1932)

http://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:8:2-3652481

In den Tiefen von ‚arkivalieronline‘

Im vom dänischen Reichsarchiv digitalisierten Bestand ‚Tyske Kancelli, Udenrigske Afdeling‘ (TKUA) wurde ich neulich auf eine Unterrubrik mit dem schlichten, eher nichtssagenden Titel ‚Realia‘ aufmerksam. Sie enthält insgesamt ein buntes Sammelsurium an Schriftgut vor allem des 17. und 18. Jahrhunderts, das zu einem großen Teil schlicht nach Schlagworten (Industri – Islandica  – Justitssager) geordnet wurde.

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/other/index-creator/138/35775/19852167

Besonders umfangreich ist das Material zum Öresundzoll – und zur arabischen Reise des Forschers Carsten Niebuhr (1756-1768).

Rantzoviana

Im Rahmen der Jahrestagung des Arbeitskreises Sozial- und Wirtschaftsgeschichte SH auf dem Koppelsberg bei Plön stellte am 13. Mai die „Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau“ sich und ihre Aktivitäten vor. Zugegeben: Ich hatte dem Programmpunkt im Vorfeld mit leichter Skepsis entgegen gesehen. Diese verflüchtigte sich jedoch schnell angesichts einer sehr ansprechenden und überzeugenden Präsentation.

Die erst im vergangenen Jahr gegründete Segeberger Initiative bemüht sich, den seinerzeit berühmten Adligen, Politiker und Gelehrten wieder stärker ins allgemeine Bewußtsein der Region zu rücken. Dank vielfältiger und einfallsreicher Mittel sind offenbar bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Unter anderem wurde eine jährliche Veranstaltung zum Geburtstag Rantzaus etabliert, die bis mindestens bis zum namensgebenden Fernziel durchgehalten werden sollen.  Es beeindruckt, was eine handvoll Aktive in Sachen praktischer Geschichtsdidaktik zu leisten vermögen. Hieran könnte sich so mancher alteingesessene Geschichtsverein ein Beispiel nehmen.

Zu ihrem Vortrag hatten die Mitglieder der Arbeitsstelle eine umfangreichen Dokumentation von Fachliteratur über Heinrich Rantzau mitgebracht, die von ihnen erstellt und in gebundener Form über die Stadtbücherei Bad Segeberg der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde.  Diese Tätigkeit könnte in Bezug auf Quellen leicht fortgesetzt werden; denn vor allem dank arkivalieronline ist eine Vielzahl von Dokumenten im Netz verfügbar, die entweder von Heinrich Rantzau stammen oder mit ihm in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Vorrangig sind die Berichte des Statthalters Heinrich Rantzau an den dänischen Hof zu nennen (Bestand: Reichsarchiv Kopenhagen, Tyske Kancelli – indenrigske afdeling, Slesvig-holsten-lauenburgske Kancelli, Statholder Henrik Rantzaus relationer 1555 – 1598):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/other/index-creator/150/997781/20017862

[Ergänzung v. 25.09.2017] Einblicke vor allem in die politische Arbeit Heinrich Rantzaus gewähren auch die „Akter vedr . de kgl. og hertugelige rådersmøder, rådslagninger og beslutninger“ aus der Tyske Kancelli (indenrigske afdeling):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20017960#275113,52814584

Des weiteren befinden sich im sog. Hansborg-Archiv viele Briefe Heinrich Rantzaus an Herzog Johann d.Ä. von Schleswig-Holstein-Hadersleben (Bestand: Reichsarchiv Kopenhagen, De sønderjyske fyrstearkiver, Hans den Ældre, Indkomne breve):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291122#215455,41315918

Auf Seiten der Postausgänge, der sog. „Lukkede Breve“, finden sich entsprechend Briefe Johanns d.Ä. an Heinrich Rantzau, die allerdings nicht ohne Durchsicht der Registranten zu ermitteln sind. Nur für die ersten vier Registrant-Bände (1543-1559) existiert eine digitalisierte Zettelkartei, die den Zugriff auf relevante Dokumente erleichtert. Aus dem Registrant Nummer 10, den ich probehalber einmal eingesehen habe, lassen sich folgende Schreiben anführen:

In den „Breve til andere“ des Hansborg-Archivs stößt man unter anderem auf:

Zugang zu Briefen an Heinrich Rantzau, vor allem von Tycho Brahe, bietet:

http://emlo.bodleian.ox.ac.uk/forms/advanced?people=rantzau

***

Abschließend sei bemerkt, dass der wikisource-Seite mit Werken von und über Heinrich Rantzau ein wenig Aufstockung gut zu Gesicht stünde. Bereits mit Nennung der nicht wenigen, allein im Internet-Archive vorhanden Werke wäre viel gewonnen. Erwähnenswert ist sicher auch:

Dieter Lohmeier: Das „Rantzauer Zeitalter“ der schleswig-holsteinischen Geschichte, in: Demokratische Geschichte 13 (2000), S. 9ff.: http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_13/Demokratische_Geschichte_Band_13_Essay_2.pdf

Rantzau_Obelisk

(Abbildung aus Lindeberg: Hypotyposis arcium palatiorum et monumentorum, ab Henr. Ranzovio, pro rege Holsato, conditorum (Hamburg 1591) – Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek)