Schriftenreihe des Landeskirchlichen Archivs

Dass das Landeskirchliche Archiv der Nordkirche im vergangenen Jahr eine neue Schriftenreihe gestartet hat, war mir bislang entgangen. Zwei Bände, die auch online verfügbar sind, wurden bereits veröffentlicht:

Bd. 1: A.-C. Draeger: Kirchliches Archivgut und Archivgut mit kirchlichem Bezug in staatlichen und kommunalen Archiven Schleswig-Holsteins (Dezember 2016)

Aus dem Vorwort: „Der Bedarf zur Orientierung über kirchliche Archivalien oder solche mit kirchlichem Bezug in nichtkirchlichen Archiven zeigt sich regelmäßig im Rahmen der Archivpflege und der Betreuung der Benutzer. Da das Land Schleswig-Holstein, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, kein Archivportal besitzt, das eine archivübergreifende Recherche ermöglicht und bisher auch nicht im Archivportal D mit Findmitteln vertreten ist (Stand 13.07.2016), sind die Recherchemöglichkeiten zu Archivalien einzelner Archive stark eingeschränkt und zum Teil sogar gar nicht vorhanden. Hinzu kommt, dass nur wenige Archive eine eigene Internetseite aufweisen können. […] Leider können nicht zu allen Archiven relevante Aussagen getroffen werden, weil es keine Internetseite gibt, keine Online-Findmittel vorhanden sind oder der zugesandte Fragebogen nicht ausgefüllt wurde.“

Zugespitzt: SH als digitales (und gerade in der Fläche oft auch archivisches) Entwicklungsland – ein Eindruck, den ich teile.

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Schriften%20Band%201%20-%20Kirchliches%20Archivgut.pdf

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Bd. 2 – B. Hein: Die Propsteien/Kirchenkreise in Nordelbien (Mai 2016)

Aus dem Vorwort: „Diese Ausgabe stellt Informationen zur den Propsteien bzw. Kirchenkreisen und ihren Pröpstinnen bzw. Pröpsten auf dem Gebiet der ehemaligen Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche bis zur Gründung der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland an Pfingsten 2012 zur Verfügung. In Kürze werden die Verwaltungsgeschichten der einzelnen Propsteien bzw. Kirchenkreise dargestellt und dann folgt die Auflistung der Pröpstinnen bzw. Pröpste mit den Amtsjahren.“

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Schriften%20Band%202%20-%20Pr%C3%B6pste%20und%20Kirchenkreise.pdf

Beim Abschnitt „Propstei Fehmarn“ (S. 23) ist nicht ganz verständlich, warum die Aufzählung der Amtsträger erst mit dem Jahr 1788 beginnt, wo doch den einleitenden Sätzen zufolge der Propstentitel nach der Reformation bereits ab 1761, also kurz nach dem Amtsantritt Conrad Friedrich Stresows, wieder geführt worden sein soll. (Vgl.  Jensen im zweiten Band seiner „Kirchlichen Statistik“ von 1841, S. 1270f. – Falls man es etwas quellenbasierter möchte: Stresow selbst führt den Titel nachweislich spätestens 1765).  Dass es ein vorreformatorisches Propstenamt für Fehmarn bereits im 13. Jahrhundert gab (die Angaben von Jensen – s.o. –  lassen sich belegen), wird nicht klar ausgesprochen, ist aber hoffentlich gemeint.

 

 

Verschwunden: fehmarngenealogy.com

Die vom US-Amerikaner J. Kostick wohl über zwei Jahrzehnte betriebene Website fehmarngenealogy.com wurde offenbar vor kurzem abgeschaltet.  Der letzte Screenshot der  wayback-machine datiert vom 3. Oktober letzten Jahres. Eine erste Vermißten-Anzeige stammt dann vom 28. Dezember.

Sollte die Seite auf Dauer verschwunden sein, wäre dies für die Regionalgeschichts- und mehr noch Familienforschung zur Insel Fehmarn ein herber Verlust (auch wenn bereits seit langem keine neuen Inhalte mehr hinzukamen). Viele Links, besonders auf genealogischen Websites, werden nun ins Leere laufen.

Das Angebot der Seite umfaßte nicht nur eine umfangreiche Datenbank zu Personen und Familien, sondern darüber hinaus vielfältige Informationen zur Inselgeschichte. Ich selbst habe einst einen Text zur Auswanderung im 19. Jahrhundert und eine Zusammenstellung von Bevölkerungszahlen zur Verfügung gestellt. Beides wird hier im Blog demnächst wieder erscheinen. Doch vieles Andere wird wohl – sollte die Seite – nicht doch wieder auftauchen – für immer verloren sein.

fehmarngenealogy

Ergänzung (06.05.2017): Am 9. April meldete eine Nutzerin im genealogy.net-Forum,  folgendes Statement von J. Kostick: „I am sorry but the website is no longer active. If you need any information or need reports on ancestors you are welcome to request the information from me.“

Foto-Spende für das Stadtarchiv Fehmarn

Das Stadtarchiv Fehmarn erhält 83 Aufnahmen, die der im Lande bekannte Fotograf Theodor Möller vor rund 100 Jahren auf der Insel anfertigte:

https://www.fehmarn24.de/fehmarn/historische-fotografien-bereichern-stadtarchiv-7530232.html

Auf die angekündigte Ausstellung darf man gespannt sein, auch weil sich zeigen wird, wie „unbekannt und unveröffentlicht“ die Fotos in ihrer Gesamtheit tatsächlich sind. Bereits seit langem sind einige Fehmarn-Bilder, die Möller für das Landesamt für Denkmalpflege anfertigte,  über bildindex.de einsehbar (siehe z.B. Aufnahmen aus Staberdorf). Über das Portal der schleswig-holsteinischen und Hamburger Museen finden sich drei weitere Fehmarn-Bilder Möllers aus dem Bestand der Landesbibliothek. Wiederum andere Aufnahmen fanden als Illustrationen in der Zeitschrift „Die Heimat“ Verwendung (z.B. im Jahrgang 1928, S. 123ff.).

Doch ganz gleich wie bekannt oder unbekannt die Bilder letztlich auch sein mögen: die Schenkung ist auf jeden Fall ein erfreulicher Vorgang für das Stadtarchiv und seine Nutzer.

 

Ausstellung zur Annexion SHs durch Preußen vor 150 Jahren

Im Landesarchiv zu Schleswig öffnet heute die Ausstellung „Schleswig-Holstein wird preußische Provinz 1867–1920“, die bis zum  23. Februar 2018 zu sehen sein wird.

Weitere Informationen enthalten u.a. eine Online-Mitteilung des Landesarchivs oder ein Artikel bei shz.de

Aus letzterem erfährt man zudem, dass die shz-Sonderbeilage in Sachen 1867 (von Frank Jung) als E-Veröffentlichung frei verfügbar ist:

http://www.e-pages.dk/shzsonderbeilagen/223/

Beachtung verdient auch das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung mit monatlichen Vorträgen.

Kladderadatsch 1869 0338 -dessert

Karikatur aus dem Kladderadatsch, 1869, via Wikimedia Commons, Lizenz: gemeinfrei

Zeitschrift „Abgestaubt“ – Ausgabe 4 (2016)

Nicht nur der Landtag beschäftigt sich dieser Tage mit dem Nationalsozialismus und dem Umgang mit ihm in der Nachkriegszeit, auch im vierten Heft der Zeitschrift „Abgestaubt – aus den Archiven in der Nordkirche“  widmen sich mehrere Beiträge diesem Thema:

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Abgestaubt%20-%202016%20DC%20Layout%202.pdf

Neben archivfachlichen Nachrichten und Informationen sind darin enthalten:

  • Benjamin Hein (Landeskirchliches Archiv Kiel): „Der Nachlass Wolfgang Baader im Landeskirchlichen Archiv Kiel – Ein Nationalsozialist und Antikommunist als Leiter des Presseverbandes der Landeskirche Schleswig-Holstein“ (S. 10-13)  – Der gelernte NS-Propagandist Baader leitete den Presseverband von 1952-1981. Seine Einstellungen und Arbeitsmethoden scheinen durch den „Zusammenbruch“ 1945  keine tieferen  Einschnitte erfahren zu haben. Baaders Aktivitäten sowie den verschiedenen Affären, die in Heins Text nur angerissen werden können, ist eine eingehende Untersuchung dringend zu wünschen. Zum Streit um die sog. „DFU-Pastoren“ in den frühen 1960er Jahren ist mir beispielsweise bekannt, dass dieser auch auf Fehmarn hohe Wellen schlug und liberale Kirchenvertreter vorort vom damals stramm nationalkonservativen „Fehmarnschen Tageblatt“ hart angegangen wurden. Zum Baader-Nachlass im Landeskirchlichen Archiv an sich sagt Hein leider kaum etwas – insofern führt die Überschrift etwas in die Irre. Der Leser kann nur vermuten, dass das, was im Text gesagt und abgebildet wird, den Archivalien des Bestandes entnommen ist.
  • Ebenfalls von Benjamin Hein: „Franz Tügel – ein Hamburger Landesbischof im Nationalsozialismus und ambivalenter Charakter“ (S.  21-24)
  • Stephan Linck (Studienleiter der Evangelischen Akademie der Nordkirche) „Wie die Kirche die Judenverfolgung unterstützte – Die Altonaer Judenkartei“ (S. 36-60) – In meinen Augen ist dieser Text fraglos eine Pflichtlektüre. Einmal mehr wird deutlich, dass „Sippenforschung“ im Dritten Reich alles andere als unpolitisch war. Zum späteren Leugnen von NS-Beteiligungen liefert Linck eine bezeichnende Episode (S. 56), die ich mir hier zu zitieren erlaube: „1946 erhielt das Kirchenbuchamt Altona eine Anfrage, die vom Archivamt der EKD in Hannover ausgegangen war. Essei bekannt, dass während der NS-Zeit „Judenregister” angefertigt und an die NS-Behörden weitergegeben worden seien. Um sich eine Übersicht zu verschaffen, bat das Archivamt um Mitteilung, wo derartige Register angefertigt bzw. abgegeben worden waren. Als Propst Hildebrand die Anfrage an das Altonaer Kirchenbuchamt weiterleitete, wurde die Existenz derartiger Listen mit der Bemerkung „Fehlanzeige” verneint. Der Schriftwechsel wiederum wurde ordentlich in der Akte „Sippenkanzlei” abgeheftet, in der die wiederholte Abgabe der Altonaer „Judenliste” dokumentiert ist.