Wird die Waldemarsmauer bald verschleudert wie ein defizitäres Schwimmbad?

Die „Schleswiger Nachrichten“ berichten dieser Tage über außergewöhnliche Sparpläne des Kreises Schleswig-Flensburg:

https://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/kreis-schleswig-flensburg-lockt-mit-negativem-kaufpreis-id16913926.html

Besagte Pläne berühren nicht nur den Wanderweg am Haddebyer Noor (in der Umgebung Haithabus) und die Angelner Dampfeisenbahn, sondern auch das Danewerk. Zumindest bei letzterem handelt es sich fraglos um ein wertvolles Kulturerbe, wenngleich die unter Beteiligung des Landes angestrengte Einstufung als Unesco-Welterbestätte bislang nicht von Erfolg gekrönt war.

Bereits im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass der Kreis knapp 1,5 Kilometer Danewerk von Thyraburg bis Schanze XIV gern dem Sydslesvigsk Forening übereignen wollte (siehe die Meldung bei Archivalia). Dem neuen Zeitungsbericht zufolge ist man jetzt vielleicht sogar bereit draufzuzahlen. Als Vorbild wird der Ausstieg aus der defizitären Fördeland-Therme genannt.

Die Verantwortlichen des Kreises empfinden es offenbar nicht als Widerspruch, das Danewerk auf der eigenen  Webseite  weiterhin als „Kulturort“ zu preisen, es aber andererseits wie ein x-beliebiges Abschreibungsobjekt zu behandeln. Verantwortungsvolle Kulturpolitiker, die einem wohl zweifellos vorhandenen Sparzwang Grenzen aufzeigen könnten, scheinen in der Region nicht mehr existent zu sein. Überkommen scheint inzwischen auch der Gedanke, dass durch Waldemarsmauer, Dampfeisenbahn und Wanderweg der Tourismus gefördert wird, von dem wiederum Einzelhandel, Gastronomie etc. profitieren.

Man darf gespannt sein, ob der Kreis tatsächlich Abnehmer für die genannten Objekte findet, und falls ja, welche Folgen dies haben wird.

Danewerk Museum vall 2014b

Bild: Holger Ellgaard (Eigenes Werk), via Wikimedia Commons , Lizenz: CC BY-SA 4.0

Advertisements

Vergangenheitsbewältigung im Kirchenkreis Ostholstein

Besser spät als nie – Die evangelisch-lutherische Kirchenkreissynode Ostholstein beschloss auf ihrer Tagung am 5. Mai 2017 eine Erklärung, in der es u.a. heißt:

„Die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Ostholstein empfindet Scham darüber, dass sich die ehemaligen Evangelisch-Lutherischen Landeskirchen im Raum Ostholstein während der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus schuldig gemacht und zu menschenverachtenden Gräueltaten der Nazi-Herrschaft geschwiegen haben. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin hat in den Nachkriegsjahren die Stuttgarter Schulderklärung nicht unterstützt, sich nicht eindeutig vom Unrecht distanziert und die eigene Rolle in der öffentlichen Unterstützung der Nazi-Ideologie bisher nicht kritisch aufgearbeitet. Sie hat sogar aktiv ideologisch belastete Pastoren in den Kirchenkreis aufgenommen ohne zu verlangen, dass dieses ich deutlich vom nationalsozialistischen Gedankengut distanzieren.

Die Synode des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Ostholstein bittet all jene um Vergebung, die in ihrem Bemühen um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in unserer Region durch Amtsträger unserer Kirche nicht nur zu wenig unterstützt, sondern sogar behindert wurden und teils erhebliche persönliche Nachteile in Kauf nehmen mussten.“

Pressemitteilung:

https://www.kirchenkreis-ostholstein.de/nachrichten/detail/nachricht/synode-bittet-um-vergebung.html

Wortlaut der Erklärung:

https://www.kirchenkreis-ostholstein.de/fileadmin/user_upload/baukaesten/Baukasten_Evangelisch-Lutherischer_Kirchenkreis_Ostholstein/Dokumente/Synodenerklarung-im-Wortlaut.pdf

Zeitreise – DER SPIEGEL 13/1963 (27.03.1963) mokiert sich über Verhältnisse in der damaligen Eutiner Landeskirche:

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/45142853

E-Dissertationen zu Migration und Wiedergutmachung (1918-1960)

Ernst: Die schleswig-holsteinische Amerika-Auswanderung und Rückwanderung in der Zeit der Weimarer Republik (Bochum 2002)

http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/ErnstHeike

Pusch: Politisches Exil als Migrationsgeschichte: Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933-1960 (Flensburg 2003)

http://www.zhb-flensburg.de/dissert/pusch

Scharffenberg: Die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts in Schleswig-Holstein dargestellt an Flensburger Fallbeispielen (Flensburg 2000)

https://www.zhb-flensburg.de/fileadmin/content/spezial-einrichtungen/zhb/dokumente/dissertationen/scharffenberg/wiedergutmachung.pdf

Beyer: Wiedergutmachung oder enttäuschte Hoffnungen? Die Entschädigung von NS-Opfern in Stormarn nach dem Zweiten Weltkrieg (Hamburg 2012)

http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/6910/pdf/Dissertation.pdf

Schriftenreihe des Landeskirchlichen Archivs

Dass das Landeskirchliche Archiv der Nordkirche im vergangenen Jahr eine neue Schriftenreihe gestartet hat, war mir bislang entgangen. Zwei Bände, die auch online verfügbar sind, wurden bereits veröffentlicht:

Bd. 1: A.-C. Draeger: Kirchliches Archivgut und Archivgut mit kirchlichem Bezug in staatlichen und kommunalen Archiven Schleswig-Holsteins (Dezember 2016)

Aus dem Vorwort: „Der Bedarf zur Orientierung über kirchliche Archivalien oder solche mit kirchlichem Bezug in nichtkirchlichen Archiven zeigt sich regelmäßig im Rahmen der Archivpflege und der Betreuung der Benutzer. Da das Land Schleswig-Holstein, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, kein Archivportal besitzt, das eine archivübergreifende Recherche ermöglicht und bisher auch nicht im Archivportal D mit Findmitteln vertreten ist (Stand 13.07.2016), sind die Recherchemöglichkeiten zu Archivalien einzelner Archive stark eingeschränkt und zum Teil sogar gar nicht vorhanden. Hinzu kommt, dass nur wenige Archive eine eigene Internetseite aufweisen können. […] Leider können nicht zu allen Archiven relevante Aussagen getroffen werden, weil es keine Internetseite gibt, keine Online-Findmittel vorhanden sind oder der zugesandte Fragebogen nicht ausgefüllt wurde.“

Zugespitzt: SH als digitales (und gerade in der Fläche oft auch archivisches) Entwicklungsland – ein Eindruck, den ich teile.

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Schriften%20Band%201%20-%20Kirchliches%20Archivgut.pdf

***

Bd. 2 – B. Hein: Die Propsteien/Kirchenkreise in Nordelbien (Mai 2016)

Aus dem Vorwort: „Diese Ausgabe stellt Informationen zur den Propsteien bzw. Kirchenkreisen und ihren Pröpstinnen bzw. Pröpsten auf dem Gebiet der ehemaligen Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche bis zur Gründung der Ev.-Luth. Kirche in Norddeutschland an Pfingsten 2012 zur Verfügung. In Kürze werden die Verwaltungsgeschichten der einzelnen Propsteien bzw. Kirchenkreise dargestellt und dann folgt die Auflistung der Pröpstinnen bzw. Pröpste mit den Amtsjahren.“

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Schriften%20Band%202%20-%20Pr%C3%B6pste%20und%20Kirchenkreise.pdf

Beim Abschnitt „Propstei Fehmarn“ (S. 23) ist nicht ganz verständlich, warum die Aufzählung der Amtsträger erst mit dem Jahr 1788 beginnt, wo doch den einleitenden Sätzen zufolge der Propstentitel nach der Reformation bereits ab 1761, also kurz nach dem Amtsantritt Conrad Friedrich Stresows, wieder geführt worden sein soll. (Vgl.  Jensen im zweiten Band seiner „Kirchlichen Statistik“ von 1841, S. 1270f. – Falls man es etwas quellenbasierter möchte: Stresow selbst führt den Titel nachweislich spätestens 1765).  Dass es ein vorreformatorisches Propstenamt für Fehmarn bereits im 13. Jahrhundert gab (die Angaben von Jensen – s.o. –  lassen sich belegen), wird nicht klar ausgesprochen, ist aber hoffentlich gemeint.

 

 

Flensburger Stadtfeldkarte von 1779

Die von Hans Jochim Jürgensen 1779  angefertigte Karte des Flensburger Stadtfeldes ist seit längerem samt Erläuterungen über die SLUB Dresden verfügbar:

http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/66355/29/

Lediglich die Karte, dafür aber nach meinem Eindruck in wesentlich besserer Auflösung, erhält man auch über die Portugiesische Nationalbibliothek:

http://purl.pt/4072/3/

Ergänzung v. 30.05.2017: Zum Flensburger Stadtfeld erschien bereits 1754 die Druckschrift „Nachricht von dem Flensburgischen Stadt-Felde, als eine Beschreibung der Stadt-Gräntzen, welche Anno 1558. von Burgermeistern und Raht und der gantzen Bürgerschafft beritten und verneuert worden; samt einem Verzeichnis der Gräntz-Steine, womit E. E. Raht und Bürgerschafft das Stadt-Feld Anno 1601 umbsetzen und bestapeln lassen ; gemeinen Nutzens halber aus der Stadt Flensburg altem Erdbuche zum Druck befordert

http://dibiki.ub.uni-kiel.de/viewer/image/PPN885247612/1/