Landesarchäologie vor und nach ’45: Das Beispiel A.F.W. Rust

Im derzeit neuesten Band der Archäologischen Informationen veröffentlichte Ulf Ickerodt:

„Ein notwendiger Kommentar zu Gernot Tromnaus Würdigung von Alfred Friedrich Wilhelm Rust“

http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/33554/27246

Die in der Überschrift angesprochene Würdigung erschien im Jahrbuch Stormarn 2015 (S. 48-53: „Eine notwendige Stellungnahme. Der mutige Aufsatz des Ahrensburger Archäologen Alfred Rust aus dem Jahr 1942.“) und stellt einen weiteren Beitrag zur Diskussion um Tätigkeit A. Rusts für das SS-„Ahnenerbe“ zu verstehen, die seit einigen Jahren besonders in und um Ahrensburg  geführt wird. Ickerodts Stellungsnahme hierzu enthält u.a. einen informativen Überblick über die Kontroverse, die sich an der Frage einer Wanderweg-Bennennung nach Rust entzündete. Über die Person Rusts hinaus thematisiert Ickerodt auch die Kollaborationen weiterer schleswig-holsteinischer Archäologen mit dem NS-Regime sowie die bis heute weitgehend lückenhafte Aufarbeitung dieses Themas.

Ausschreibung: 10.000 € für die Geschichte des Lagers Gudendorf

„Die Initiative „Blumen für Gudendorf“, vertreten durch die Gemeinde Gudendorf, sucht im Rahmen eines wissenschaftlichen Werkvertrages eine /n Historiker/in für die Erstellung der Geschichte des Lagers Gudendorf für die Zeit vom 1. März 2017 bis 31. Dezember 2017.

Wegen der singulären Bedeutung als zentrales Lager in Schleswig-Holstein für überwiegend Kriegsgefangene aus der ehemaligen Sowjetunion ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Lagergeschichte von der Errichtung bis zur Auflösung erforderlich.“

Alles Weitere auf:

http://www.hsozkult.de/searching/id/stellen-14065?title=werkvertrag-geschichte-des-lagers-gudendorf-gudendorf&q=schleswig&sort=&fq=&total=688&recno=4&subType=job

Über die Gedenkarbeit bzgl. des Lagers informiert u.a. ein Zeitungsartikel von 2015:

http://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/gedenkstaette-nennt-jetzt-namen-id10990171.html

 

 

Gudendorf Gesamtanlage 1

Gedenkstätte Gudendorf (Urheber: Peter Werner aus der deutschsprachigen Wikipedia; via Wikimedia Commons ; Lizenz: GFDL oder CC-BY-SA-3.0)

Zeitschrift „Abgestaubt“ – Ausgabe 4 (2016)

Nicht nur der Landtag beschäftigt sich dieser Tage mit dem Nationalsozialismus und dem Umgang mit ihm in der Nachkriegszeit, auch im vierten Heft der Zeitschrift „Abgestaubt – aus den Archiven in der Nordkirche“  widmen sich mehrere Beiträge diesem Thema:

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Abgestaubt%20-%202016%20DC%20Layout%202.pdf

Neben archivfachlichen Nachrichten und Informationen sind darin enthalten:

  • Benjamin Hein (Landeskirchliches Archiv Kiel): „Der Nachlass Wolfgang Baader im Landeskirchlichen Archiv Kiel – Ein Nationalsozialist und Antikommunist als Leiter des Presseverbandes der Landeskirche Schleswig-Holstein“ (S. 10-13)  – Der gelernte NS-Propagandist Baader leitete den Presseverband von 1952-1981. Seine Einstellungen und Arbeitsmethoden scheinen durch den „Zusammenbruch“ 1945  keine tieferen  Einschnitte erfahren zu haben. Baaders Aktivitäten sowie den verschiedenen Affären, die in Heins Text nur angerissen werden können, ist eine eingehende Untersuchung dringend zu wünschen. Zum Streit um die sog. „DFU-Pastoren“ in den frühen 1960er Jahren ist mir beispielsweise bekannt, dass dieser auch auf Fehmarn hohe Wellen schlug und liberale Kirchenvertreter vorort vom damals stramm nationalkonservativen „Fehmarnschen Tageblatt“ hart angegangen wurden. Zum Baader-Nachlass im Landeskirchlichen Archiv an sich sagt Hein leider kaum etwas – insofern führt die Überschrift etwas in die Irre. Der Leser kann nur vermuten, dass das, was im Text gesagt und abgebildet wird, den Archivalien des Bestandes entnommen ist.
  • Ebenfalls von Benjamin Hein: „Franz Tügel – ein Hamburger Landesbischof im Nationalsozialismus und ambivalenter Charakter“ (S.  21-24)
  • Stephan Linck (Studienleiter der Evangelischen Akademie der Nordkirche) „Wie die Kirche die Judenverfolgung unterstützte – Die Altonaer Judenkartei“ (S. 36-60) – In meinen Augen ist dieser Text fraglos eine Pflichtlektüre. Einmal mehr wird deutlich, dass „Sippenforschung“ im Dritten Reich alles andere als unpolitisch war. Zum späteren Leugnen von NS-Beteiligungen liefert Linck eine bezeichnende Episode (S. 56), die ich mir hier zu zitieren erlaube: „1946 erhielt das Kirchenbuchamt Altona eine Anfrage, die vom Archivamt der EKD in Hannover ausgegangen war. Essei bekannt, dass während der NS-Zeit „Judenregister” angefertigt und an die NS-Behörden weitergegeben worden seien. Um sich eine Übersicht zu verschaffen, bat das Archivamt um Mitteilung, wo derartige Register angefertigt bzw. abgegeben worden waren. Als Propst Hildebrand die Anfrage an das Altonaer Kirchenbuchamt weiterleitete, wurde die Existenz derartiger Listen mit der Bemerkung „Fehlanzeige” verneint. Der Schriftwechsel wiederum wurde ordentlich in der Akte „Sippenkanzlei” abgeheftet, in der die wiederholte Abgabe der Altonaer „Judenliste” dokumentiert ist.

Landtag SH diskutiert NS-Vergangenheit früherer Abgeordneter und Regierungsmitglieder

Ende April wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Geschichtswissenschaftliche Aufarbeitung der personellen und strukturellen Kontinuität nach 1945 in der schleswig-holsteinischen Legislative und Exekutive“ im Landtag SH vorgestellt. Am vergangenen Freitag beriet hierüber der Landtag.

Vorgesehen war eine Beratungszeit von 35 Minuten:

http://www.landtag.ltsh.de/export/sites/landtagsh/infothek/wahl18/plenum/rfolgeberat/2016/rb_18-048_12-16.pdf

Zur parlamentarischen Diskussion schreibt die Seite des Landtags:

http://www.landtag.ltsh.de/plenumonline/archiv/wp18/48/debatten/53.html

Einen Vorbericht lieferte shz.de. Ihm ist u.a. zu entnehmen, dass der vom IZRG erstellte Forschungsbericht nun im Januar als Buch unter dem Titel „Landespolitiker mit Vergangenheit“ erscheinen soll:

http://www.shz.de/regionales/schleswig-holstein/der-landtag-diskutiert-ueber-sein-dunkles-erbe-id15612166.html