Geschichten aus dem Kreis Steinburg 1817-2017

Aus Anlaß des Jubiläums „200 Jahre Itzehoer Wochenblatt“ erschien im Nachfolge-Organ „Norddeutsche Rundschau“ vor kurzem eine kleine Artikel-Serie, die streiflichtartig die Geschichte des lokalen Berichtsgebietes in den vergangenen zwei Jahrhunderten beleuchtet.

Online vorhanden sind:

‚Das Itzehoer Wochenblatt nützt uns mehr als eine Armee‘ – In bewegten Zeiten erschien 1817 die erste Ausgabe des Itzehoer Wochenblattes, aus dem später die Norddeutsche Rundschau hervorging“

Als Timm Thode die Wilstermarsch erschütterte“ [Familiendrama 1866 ]

Dreimal „Hurra“ für Kaiser Wilhelm I. – 1881 standen Itzehoe und das Lockstedter Lager für wenige Tage im Zentrum des Deutschen Reiches: Der Kaiser besuchte das Herbstmanöver und wohnte in der Störstadt.“

Arbeiter-Protest gewaltsam niedergeschlagen – 1923 forderten Unruhen in Lägerdorfer am 23. Oktober drei Todesopfer.“

Die Zeitung in dunklen Zeiten – Beginn der Nazi-Herrschaft hat im Kreis Steinburg unter anderem politischen Terror und die Gleichschaltung der Presse zur Folge“

Die Kriegsgefangenen vom Langen Peter – Die Geschichte des Oflag XA für Offiziere der deutschen Gegner im Zweiten Weltkrieg.“

“ ‚An der Westküste macht man das Licht mit dem Hammer aus‚ “ [Gewaltverbrechen in den 1950er und 1960er Jahren – Der in dem Artikel zitierte ’nicht genau datierte‘ SPIEGEL-Bericht stammt, wie leicht zu ergoogeln ist, aus der Ausgabe 50/1967 (04.12.1967)]

[Artikel zur Flüchtlingsunterkunft Oelixdorf in den 1980er und 1990er Jahren]

 

Vergangenheitsbewältigung im Kirchenkreis Ostholstein

Besser spät als nie – Die evangelisch-lutherische Kirchenkreissynode Ostholstein beschloss auf ihrer Tagung am 5. Mai 2017 eine Erklärung, in der es u.a. heißt:

„Die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Ostholstein empfindet Scham darüber, dass sich die ehemaligen Evangelisch-Lutherischen Landeskirchen im Raum Ostholstein während der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus schuldig gemacht und zu menschenverachtenden Gräueltaten der Nazi-Herrschaft geschwiegen haben. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin hat in den Nachkriegsjahren die Stuttgarter Schulderklärung nicht unterstützt, sich nicht eindeutig vom Unrecht distanziert und die eigene Rolle in der öffentlichen Unterstützung der Nazi-Ideologie bisher nicht kritisch aufgearbeitet. Sie hat sogar aktiv ideologisch belastete Pastoren in den Kirchenkreis aufgenommen ohne zu verlangen, dass dieses ich deutlich vom nationalsozialistischen Gedankengut distanzieren.

Die Synode des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Ostholstein bittet all jene um Vergebung, die in ihrem Bemühen um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in unserer Region durch Amtsträger unserer Kirche nicht nur zu wenig unterstützt, sondern sogar behindert wurden und teils erhebliche persönliche Nachteile in Kauf nehmen mussten.“

Pressemitteilung:

https://www.kirchenkreis-ostholstein.de/nachrichten/detail/nachricht/synode-bittet-um-vergebung.html

Wortlaut der Erklärung:

https://www.kirchenkreis-ostholstein.de/fileadmin/user_upload/baukaesten/Baukasten_Evangelisch-Lutherischer_Kirchenkreis_Ostholstein/Dokumente/Synodenerklarung-im-Wortlaut.pdf

Zeitreise – DER SPIEGEL 13/1963 (27.03.1963) mokiert sich über Verhältnisse in der damaligen Eutiner Landeskirche:

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/45142853

E-Dissertationen zu Migration und Wiedergutmachung (1918-1960)

Ernst: Die schleswig-holsteinische Amerika-Auswanderung und Rückwanderung in der Zeit der Weimarer Republik (Bochum 2002)

http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/ErnstHeike

Pusch: Politisches Exil als Migrationsgeschichte: Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933-1960 (Flensburg 2003)

http://www.zhb-flensburg.de/dissert/pusch

Scharffenberg: Die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts in Schleswig-Holstein dargestellt an Flensburger Fallbeispielen (Flensburg 2000)

https://www.zhb-flensburg.de/fileadmin/content/spezial-einrichtungen/zhb/dokumente/dissertationen/scharffenberg/wiedergutmachung.pdf

Beyer: Wiedergutmachung oder enttäuschte Hoffnungen? Die Entschädigung von NS-Opfern in Stormarn nach dem Zweiten Weltkrieg (Hamburg 2012)

http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/6910/pdf/Dissertation.pdf

Fehmarn gedenkt des von der NSDAP gestürzten Bürgermeisters C. Lafrenz

Am 4. April 1937 wurde der frühere Bürgermeister von Burg auf Fehmarn, Claus Lafrenz, nahe seiner Heimatstadt tot aufgefunden. Zum 80. Jahrestag dieses tragischen Ereignisses fand auf Fehmarn eine öffentliche Gedenkveranstaltung statt, über die das Fehmarnsche Tageblatt berichtete:

https://www.fehmarn24.de/fehmarn/todestag-wuerdiges-gedenken-claus-lafrenz-8099216.html

Auf der Veranstaltung sprach der Lokalhistoriker Hans-Christian Schramm, dessen Verdienst es ist, die NS-Vergangenheit der Insel erstmals in einer größeren Publikation umfassend thematisiert zu haben. Auch dass Verdienst und Schicksal des 1933 entmachteten Burger Bürgermeisters wieder zunehmend im Geschichtsbewußtsein der Insel verankert werden konnten, geht auf Schramms Initiative und Beharrlichkeit zurück.

Lafrenz hatte als Bürgermeister im Frühjahr 1933 das Hissen der Hakenkreuzfahne vor seinem Amtssitz in Burg verweigert. Auch trat er in den folgenden Monaten nicht freiwillig zurück, so dass die Nationalsozialisten für seine Absetzung mehrere Anläufe benötigten. Einige Artikel aus Zeitungen des Hamburger Raumes zeigen, dass die Affäre durchaus überregional wahrgenommen wurde (vgl. Altonaer Nachrichten /Hamburger Neueste Nachrichten v. 30.05.1933 u. 22.08.1933 ; Hamburgischer Correspondent v. 14.05.1933).

Die aus der NS-Zeit stammenden Bewertung, dass Lafrenz‘ Tod ein Selbstmord gewesen sei, wird inzwischen mehr hinterfragt, auch weil es gerade 1937 eine Reihe ungewöhnlicher Sterbefälle auf der Insel gab. Die abschließenden Worte des damaligen Burger Pastors zum Fall Lafrenz klingen zumindest vieldeutig: „Ein Ende voll düsterer Tragik! – und wie manchen noch sollte es im verflossenen Jahr auf den gleichen Weg ziehen mit dämonischer Gewalt, im Burger Kirchenspiel nicht nur, auf der ganzen Insel. Wie eine grassierende Krankheit fast war es.“ (Quelle: Trede, R.: „A.D. 1937“, in Ders.: Gruß der Burger Kirche für Stadt und Land, Jg. 12, Nr. 1 (Januar/Februar 1938), S. 2)

Claus Lafrenz (1887-1937)

Landesarchäologie vor und nach ’45: Das Beispiel A.F.W. Rust

Im derzeit neuesten Band der Archäologischen Informationen veröffentlichte Ulf Ickerodt:

„Ein notwendiger Kommentar zu Gernot Tromnaus Würdigung von Alfred Friedrich Wilhelm Rust“

http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/33554/27246

Die in der Überschrift angesprochene Würdigung erschien im Jahrbuch Stormarn 2015 (S. 48-53: „Eine notwendige Stellungnahme. Der mutige Aufsatz des Ahrensburger Archäologen Alfred Rust aus dem Jahr 1942.“) und stellt einen weiteren Beitrag zur Diskussion um Tätigkeit A. Rusts für das SS-„Ahnenerbe“ zu verstehen, die seit einigen Jahren besonders in und um Ahrensburg  geführt wird. Ickerodts Stellungsnahme hierzu enthält u.a. einen informativen Überblick über die Kontroverse, die sich an der Frage einer Wanderweg-Bennennung nach Rust entzündete. Über die Person Rusts hinaus thematisiert Ickerodt auch die Kollaborationen weiterer schleswig-holsteinischer Archäologen mit dem NS-Regime sowie die bis heute weitgehend lückenhafte Aufarbeitung dieses Themas.

Ausschreibung: 10.000 € für die Geschichte des Lagers Gudendorf

„Die Initiative „Blumen für Gudendorf“, vertreten durch die Gemeinde Gudendorf, sucht im Rahmen eines wissenschaftlichen Werkvertrages eine /n Historiker/in für die Erstellung der Geschichte des Lagers Gudendorf für die Zeit vom 1. März 2017 bis 31. Dezember 2017.

Wegen der singulären Bedeutung als zentrales Lager in Schleswig-Holstein für überwiegend Kriegsgefangene aus der ehemaligen Sowjetunion ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Lagergeschichte von der Errichtung bis zur Auflösung erforderlich.“

Alles Weitere auf:

http://www.hsozkult.de/searching/id/stellen-14065?title=werkvertrag-geschichte-des-lagers-gudendorf-gudendorf&q=schleswig&sort=&fq=&total=688&recno=4&subType=job

Über die Gedenkarbeit bzgl. des Lagers informiert u.a. ein Zeitungsartikel von 2015:

http://www.shz.de/lokales/norddeutsche-rundschau/gedenkstaette-nennt-jetzt-namen-id10990171.html

 

 

Gudendorf Gesamtanlage 1

Gedenkstätte Gudendorf (Urheber: Peter Werner aus der deutschsprachigen Wikipedia; via Wikimedia Commons ; Lizenz: GFDL oder CC-BY-SA-3.0)

Zeitschrift „Abgestaubt“ – Ausgabe 4 (2016)

Nicht nur der Landtag beschäftigt sich dieser Tage mit dem Nationalsozialismus und dem Umgang mit ihm in der Nachkriegszeit, auch im vierten Heft der Zeitschrift „Abgestaubt – aus den Archiven in der Nordkirche“  widmen sich mehrere Beiträge diesem Thema:

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Abgestaubt%20-%202016%20DC%20Layout%202.pdf

Neben archivfachlichen Nachrichten und Informationen sind darin enthalten:

  • Benjamin Hein (Landeskirchliches Archiv Kiel): „Der Nachlass Wolfgang Baader im Landeskirchlichen Archiv Kiel – Ein Nationalsozialist und Antikommunist als Leiter des Presseverbandes der Landeskirche Schleswig-Holstein“ (S. 10-13)  – Der gelernte NS-Propagandist Baader leitete den Presseverband von 1952-1981. Seine Einstellungen und Arbeitsmethoden scheinen durch den „Zusammenbruch“ 1945  keine tieferen  Einschnitte erfahren zu haben. Baaders Aktivitäten sowie den verschiedenen Affären, die in Heins Text nur angerissen werden können, ist eine eingehende Untersuchung dringend zu wünschen. Zum Streit um die sog. „DFU-Pastoren“ in den frühen 1960er Jahren ist mir beispielsweise bekannt, dass dieser auch auf Fehmarn hohe Wellen schlug und liberale Kirchenvertreter vorort vom damals stramm nationalkonservativen „Fehmarnschen Tageblatt“ hart angegangen wurden. Zum Baader-Nachlass im Landeskirchlichen Archiv an sich sagt Hein leider kaum etwas – insofern führt die Überschrift etwas in die Irre. Der Leser kann nur vermuten, dass das, was im Text gesagt und abgebildet wird, den Archivalien des Bestandes entnommen ist.
  • Ebenfalls von Benjamin Hein: „Franz Tügel – ein Hamburger Landesbischof im Nationalsozialismus und ambivalenter Charakter“ (S.  21-24)
  • Stephan Linck (Studienleiter der Evangelischen Akademie der Nordkirche) „Wie die Kirche die Judenverfolgung unterstützte – Die Altonaer Judenkartei“ (S. 36-60) – In meinen Augen ist dieser Text fraglos eine Pflichtlektüre. Einmal mehr wird deutlich, dass „Sippenforschung“ im Dritten Reich alles andere als unpolitisch war. Zum späteren Leugnen von NS-Beteiligungen liefert Linck eine bezeichnende Episode (S. 56), die ich mir hier zu zitieren erlaube: „1946 erhielt das Kirchenbuchamt Altona eine Anfrage, die vom Archivamt der EKD in Hannover ausgegangen war. Essei bekannt, dass während der NS-Zeit „Judenregister” angefertigt und an die NS-Behörden weitergegeben worden seien. Um sich eine Übersicht zu verschaffen, bat das Archivamt um Mitteilung, wo derartige Register angefertigt bzw. abgegeben worden waren. Als Propst Hildebrand die Anfrage an das Altonaer Kirchenbuchamt weiterleitete, wurde die Existenz derartiger Listen mit der Bemerkung „Fehlanzeige” verneint. Der Schriftwechsel wiederum wurde ordentlich in der Akte „Sippenkanzlei” abgeheftet, in der die wiederholte Abgabe der Altonaer „Judenliste” dokumentiert ist.