Studie zum Nationalsozialismus im schleswigschen „Grenzland“

Werther: SS-Vision und Grenzland-Realität. Vom Umgang dänischer und „volksdeutscher” Nationalsozialisten in Sønderjylland mit der „großgermanischen“ Ideologie der SS (Diss. Stockholm 2012)

http://urn.kb.se/resolve?urn=urn:nbn:se:su:diva-69214

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Verfilmte Bücher und Quellen bei Familysearch

Bei Archivalia wurde jüngst auf die Seite https://fs.webosi.net hingewiesen, auf der frei einsehbare Dokumente des Webservices Familiysearch gelistet werden. Ich hatte mich bislang von genealogischen Webseiten weitgehend ferngehalten, in der Annahme, dass die Angebote dort eher früher als später kostenpflichtig sind. Diese Meinung habe ich offenbar in Bezug auf das von der Mormonen-Kirche betriebene Familysearch ein Stück weit zu korrigieren: Die Menge der sich auf Schleswig-Holstein beziehenden, (hoffentlich dauerhaft) freien Digitalisate ist mehr als beachtlich.

Die Digitalisate basieren auf Mikroverfilmungen, die in unterschiedlichsten Bibliotheken, Archiven und Ämtern vorgenommen wurden. Relativ hoch ist der Anteil an Volkszählungslisten des frühen 19. Jahrhunderts – die inzwischen auch andernorts (Dansk Demografisk DatabaseArbeitskreis Volkszahl-Register, arkivalieronline) auf verschiedene Weise zugänglich sind. Ein weiterer großer Posten sind Personenstandsunterlagen verschiedenster Gemeinden, die teilweise bis weit in das 20. Jahrhundert reichen.

Folgende Einheiten verdienen m.E. besondere Erwähnung:

Scholtz: Historische Nachricht von der Kirche und Kirchspiel zu Bovenau = Handschrift UB Kiel SH 170 R (vgl. hierzu Ratjen II, S. 248)

https://www.familysearch.org/search/film/008209805?cat=210536

Jensen: Genealogische Nachrichten und Stammtafeln über die ausgebreitsten Schleswig-Holsteinischen Prediger-Familien = Handschrift UB Kiel SH 170 F (vgl. hierzu Ratjen II, S. 245)

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-CSG9-F9ZL-1?i=7&cat=210536

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Alphabetisches Verzeichnis der im Herzogthum Holstein in Verhaft gewesenen Verbrecher

Jahrgänge 1802-1848:

https://www.familysearch.org/search/film/008210154?cat=210735

Alphabetisches Verzeichnis der im Herzogthum Schleswig in Verhaft gewesenen Verbrecher

Jahrgänge 1802-1847:

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-7STM-F?i=3&cat=181000

Jahrgänge 1851-1857:

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-77XL-C?i=293&cat=181000

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-WS3X-C?i=6&cat=181000

Jahrgänge 1858-1861:

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-77FX-M?i=4&cat=181000

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-WSS3-8?i=389&cat=181000

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Quellen und Forschungen zur Familiengeschichte Schleswig-Holsteins

Bd. 1:

Gundlach (Hg.): Des Johannes Reinhusen, Organisten bei der Marienkirche in Flensburg, Annales Flensburgenses 1558-1604 (1926) [Eine wirklich entzückende Quelle, wie es sie für das Schleswig-Holstein des 16. Jahrhunderts leider nicht oft gibt!]

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-33CG-9?i=8&cat=188597

Bd. 3:

Boie: Die mittelalterlichen Geschlechter Dithmarschens und ihre Wappen (1937)

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-33ZJ-M?i=80&cat=188597

Bd. 4:

Möller: Schüler und Lehrer der Husumer Gelehrten-Schule von 1449-1852 (1939)

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-Q6SQ?i=8&cat=959

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Die Sippe der Nordmark

[Offensichtlich NS-belastet, aber manchmal muss man eben auch dort etwas nachsehen]

Heft 1 (1937):

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-W9KR-R?i=7&cat=188609

Heft 2 (1938):

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-W9LN-6?i=73&cat=188609

Heft 3 (1939):

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-W9LS-P?i=111&cat=188609

Heft 4 (1940):

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-W9LN-Q?i=143&cat=188609

Heft 5/6 (1941/42):

https://www.familysearch.org/ark:/61903/3:1:3Q9M-C9B8-W927-P?i=198&cat=188609

Zeitschrift „Abgestaubt“ – Ausgabe 5 (2017)

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/abgestaubt_5_2017.pdf

Enthält u.a.

„Frühneuzeitliches Bestattungswesen in der Gemeinde Schwedeneck, Kr. Rendsburg-Eckernförde. Archäologische und schriftliche Quellen in komplementärer Sicht“ von Eva Drechsler

„Von der Dorfkirchenbewegung zum radikalen Deutschen Christen. Der Moorburger Pastor Georg Gerdts (1895–1960), unter besonderer Berücksichtigung eines Briefwechsels mit Landesbischof Franz Tügel“ von Hansjörg Buss

Geschichten aus dem Kreis Steinburg 1817-2017

Aus Anlaß des Jubiläums „200 Jahre Itzehoer Wochenblatt“ erschien im Nachfolge-Organ „Norddeutsche Rundschau“ vor kurzem eine kleine Artikel-Serie, die streiflichtartig die Geschichte des lokalen Berichtsgebietes in den vergangenen zwei Jahrhunderten beleuchtet.

Online vorhanden sind:

‚Das Itzehoer Wochenblatt nützt uns mehr als eine Armee‘ – In bewegten Zeiten erschien 1817 die erste Ausgabe des Itzehoer Wochenblattes, aus dem später die Norddeutsche Rundschau hervorging“

Als Timm Thode die Wilstermarsch erschütterte“ [Familiendrama 1866 ]

Dreimal „Hurra“ für Kaiser Wilhelm I. – 1881 standen Itzehoe und das Lockstedter Lager für wenige Tage im Zentrum des Deutschen Reiches: Der Kaiser besuchte das Herbstmanöver und wohnte in der Störstadt.“

Arbeiter-Protest gewaltsam niedergeschlagen – 1923 forderten Unruhen in Lägerdorfer am 23. Oktober drei Todesopfer.“

Die Zeitung in dunklen Zeiten – Beginn der Nazi-Herrschaft hat im Kreis Steinburg unter anderem politischen Terror und die Gleichschaltung der Presse zur Folge“

Die Kriegsgefangenen vom Langen Peter – Die Geschichte des Oflag XA für Offiziere der deutschen Gegner im Zweiten Weltkrieg.“

“ ‚An der Westküste macht man das Licht mit dem Hammer aus‚ “ [Gewaltverbrechen in den 1950er und 1960er Jahren – Der in dem Artikel zitierte ’nicht genau datierte‘ SPIEGEL-Bericht stammt, wie leicht zu ergoogeln ist, aus der Ausgabe 50/1967 (04.12.1967)]

[Artikel zur Flüchtlingsunterkunft Oelixdorf in den 1980er und 1990er Jahren]

 

Vergangenheitsbewältigung im Kirchenkreis Ostholstein

Besser spät als nie – Die evangelisch-lutherische Kirchenkreissynode Ostholstein beschloss auf ihrer Tagung am 5. Mai 2017 eine Erklärung, in der es u.a. heißt:

„Die Synode des Ev.-Luth. Kirchenkreises Ostholstein empfindet Scham darüber, dass sich die ehemaligen Evangelisch-Lutherischen Landeskirchen im Raum Ostholstein während der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus schuldig gemacht und zu menschenverachtenden Gräueltaten der Nazi-Herrschaft geschwiegen haben. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Eutin hat in den Nachkriegsjahren die Stuttgarter Schulderklärung nicht unterstützt, sich nicht eindeutig vom Unrecht distanziert und die eigene Rolle in der öffentlichen Unterstützung der Nazi-Ideologie bisher nicht kritisch aufgearbeitet. Sie hat sogar aktiv ideologisch belastete Pastoren in den Kirchenkreis aufgenommen ohne zu verlangen, dass dieses ich deutlich vom nationalsozialistischen Gedankengut distanzieren.

Die Synode des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Ostholstein bittet all jene um Vergebung, die in ihrem Bemühen um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in unserer Region durch Amtsträger unserer Kirche nicht nur zu wenig unterstützt, sondern sogar behindert wurden und teils erhebliche persönliche Nachteile in Kauf nehmen mussten.“

Pressemitteilung:

https://www.kirchenkreis-ostholstein.de/nachrichten/detail/nachricht/synode-bittet-um-vergebung.html

Wortlaut der Erklärung:

https://www.kirchenkreis-ostholstein.de/fileadmin/user_upload/baukaesten/Baukasten_Evangelisch-Lutherischer_Kirchenkreis_Ostholstein/Dokumente/Synodenerklarung-im-Wortlaut.pdf

Zeitreise – DER SPIEGEL 13/1963 (27.03.1963) mokiert sich über Verhältnisse in der damaligen Eutiner Landeskirche:

http://magazin.spiegel.de/EpubDelivery/spiegel/pdf/45142853

E-Dissertationen zu Migration und Wiedergutmachung (1918-1960)

Ernst: Die schleswig-holsteinische Amerika-Auswanderung und Rückwanderung in der Zeit der Weimarer Republik (Bochum 2002)

http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/ErnstHeike

Pusch: Politisches Exil als Migrationsgeschichte: Schleswig-Holsteiner EmigrantInnen und das skandinavische Exil 1933-1960 (Flensburg 2003)

http://www.zhb-flensburg.de/dissert/pusch

Scharffenberg: Die Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts in Schleswig-Holstein dargestellt an Flensburger Fallbeispielen (Flensburg 2000)

https://www.zhb-flensburg.de/fileadmin/content/spezial-einrichtungen/zhb/dokumente/dissertationen/scharffenberg/wiedergutmachung.pdf

Beyer: Wiedergutmachung oder enttäuschte Hoffnungen? Die Entschädigung von NS-Opfern in Stormarn nach dem Zweiten Weltkrieg (Hamburg 2012)

http://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2014/6910/pdf/Dissertation.pdf

Fehmarn gedenkt des von der NSDAP gestürzten Bürgermeisters C. Lafrenz

Am 4. April 1937 wurde der frühere Bürgermeister von Burg auf Fehmarn, Claus Lafrenz, nahe seiner Heimatstadt tot aufgefunden. Zum 80. Jahrestag dieses tragischen Ereignisses fand auf Fehmarn eine öffentliche Gedenkveranstaltung statt, über die das Fehmarnsche Tageblatt berichtete:

https://www.fehmarn24.de/fehmarn/todestag-wuerdiges-gedenken-claus-lafrenz-8099216.html

Auf der Veranstaltung sprach der Lokalhistoriker Hans-Christian Schramm, dessen Verdienst es ist, die NS-Vergangenheit der Insel erstmals in einer größeren Publikation umfassend thematisiert zu haben. Auch dass Verdienst und Schicksal des 1933 entmachteten Burger Bürgermeisters wieder zunehmend im Geschichtsbewußtsein der Insel verankert werden konnten, geht auf Schramms Initiative und Beharrlichkeit zurück.

Lafrenz hatte als Bürgermeister im Frühjahr 1933 das Hissen der Hakenkreuzfahne vor seinem Amtssitz in Burg verweigert. Auch trat er in den folgenden Monaten nicht freiwillig zurück, so dass die Nationalsozialisten für seine Absetzung mehrere Anläufe benötigten. Einige Artikel aus Zeitungen des Hamburger Raumes zeigen, dass die Affäre durchaus überregional wahrgenommen wurde (vgl. Altonaer Nachrichten /Hamburger Neueste Nachrichten v. 30.05.1933 u. 22.08.1933 ; Hamburgischer Correspondent v. 14.05.1933).

Die aus der NS-Zeit stammenden Bewertung, dass Lafrenz‘ Tod ein Selbstmord gewesen sei, wird inzwischen mehr hinterfragt, auch weil es gerade 1937 eine Reihe ungewöhnlicher Sterbefälle auf der Insel gab. Die abschließenden Worte des damaligen Burger Pastors zum Fall Lafrenz klingen zumindest vieldeutig: „Ein Ende voll düsterer Tragik! – und wie manchen noch sollte es im verflossenen Jahr auf den gleichen Weg ziehen mit dämonischer Gewalt, im Burger Kirchenspiel nicht nur, auf der ganzen Insel. Wie eine grassierende Krankheit fast war es.“ (Quelle: Trede, R.: „A.D. 1937“, in Ders.: Gruß der Burger Kirche für Stadt und Land, Jg. 12, Nr. 1 (Januar/Februar 1938), S. 2)

Claus Lafrenz (1887-1937)

Landesarchäologie vor und nach ’45: Das Beispiel A.F.W. Rust

Im derzeit neuesten Band der Archäologischen Informationen veröffentlichte Ulf Ickerodt:

„Ein notwendiger Kommentar zu Gernot Tromnaus Würdigung von Alfred Friedrich Wilhelm Rust“

http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/arch-inf/article/view/33554/27246

Die in der Überschrift angesprochene Würdigung erschien im Jahrbuch Stormarn 2015 (S. 48-53: „Eine notwendige Stellungnahme. Der mutige Aufsatz des Ahrensburger Archäologen Alfred Rust aus dem Jahr 1942.“) und stellt einen weiteren Beitrag zur Diskussion um Tätigkeit A. Rusts für das SS-„Ahnenerbe“ zu verstehen, die seit einigen Jahren besonders in und um Ahrensburg  geführt wird. Ickerodts Stellungsnahme hierzu enthält u.a. einen informativen Überblick über die Kontroverse, die sich an der Frage einer Wanderweg-Bennennung nach Rust entzündete. Über die Person Rusts hinaus thematisiert Ickerodt auch die Kollaborationen weiterer schleswig-holsteinischer Archäologen mit dem NS-Regime sowie die bis heute weitgehend lückenhafte Aufarbeitung dieses Themas.