Anno 2019 ist es soweit: SH will die Digitalisierung im Kulturbereich

Vor einigen Wochen, am 22. Mai, wurde mit Martin Lätzel nicht nur der neue Leiter der schleswig-holsteinischen Landesbibliothek vorgestellt. Die Kultusministerin präsentierte außerdem den „Digitalen Masterplan Kultur“ ihres Hauses und verkündete im Zusammenhang hiermit die Erweiterung der Bibliothek um ein „Zentrum für Digitalisierung und Kultur“. Weitere Umgestaltungen der Landesbibliothek wurden ebenfalls bekannt gegeben.

Pressemitteilung des Ministeriums 1:

https://schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/III/Presse/PI/2019/Mai_2019/III_Landesbibliothek.html

Verlautbarung des Ministeriums 2:

https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/III/_startseite/Artikel_2019/Mai_19/190522_landesbibliothek_masterplan_digitalisierung.html;jsessionid=6B517E1DB893FA73B91546BE0F4E3D64

Artikel der „Welt“:

https://www.welt.de/regionales/hamburg/article193939653/Landesbibliothek-im-Norden-auf-Digitalisierungskurs.html

Artikel der Kieler Nachrichten zur „Digitalisierungsoffensive“

https://www.kn-online.de/Nachrichten/Kultur/Neuer-Leiter-der-Landesbibliothek-SH-plant-Digitalisierungsoffensive

Aufmerksame BeobachterInnen hätten vielleicht ahnen können, dass etwas im Busch ist, als die Landesbibliothek im März einen eigenen Twitter-Account (@shlb_kiel) einrichtete. Ihr neuer Leiter twittert schon wesentlich länger und blogt auch.

Wird damit jetzt alles gut? – Die Ministerin fordert Geduld:

Soll wohl heißen: An den oft beklagten Zustände (d.h. einer Landesbibliothek ohne ein einziges Digitalisat auf ihrer Webseite, einer für die Öffentlichkeit seit geraumer Zeit auf dem Stand von 2015 verharrenden Landesbibliographie, einer nur in bescheidenem Maße digitalisierenden Kieler UB, einem nicht an Nachnutzung digitaler Sammlungen orientierten Museumportal etc.) wird sich so schnell offenbar nichts ändern.

Wer im  „Masterplan“ nach Hinweisen auf baldige, konkrete Verbesserungen sucht, wird enttäuscht. Das neue Digitalisierungszentrum an der Landesbibliothek erscheint vorrangig als Wissensvermittler und Netzwerkbilder. Über zusätzliche Finanzmittel und verbesserte Personalausstattung derer, die digitalisieren sollen, wird kaum etwas gesagt. Gemessen am derzeitigen Zustand positiv ist, dass die „Digitalisierung des Kulturellen Erbes als dauerhafte Fachaufgabe“ festgeschrieben wird und dabei „Informationen im Sinne der Open Science oder des Open Access grundsätzlich öffentlich zugänglich sein sollen“.

Relativ konkret erscheinen im Masterplan allerdings schon einige Plattformen, die von den Einrichtungen im Lande künftig intensiver bespielt werden sollen, namentlich kultursphäre.sh,  digiCult und KuLaDig. Das letztgenannte Portal war mir in Bezug auf Schleswig-Holstein noch kein Begriff. Allerdings erschienen dort zuletzt mehrere Artikel zu ehemaligen Burgen und Befestigungen im Land, z.B. zur Burg Glambek auf Fehmarn.

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Vermutlich nicht zufällig folgte, nur wenige Tage nach der Veranstaltung in der Kieler Landesbibliothek, auf Schloss Gottorf die Konferenz „Die digitale Zukunft der Kultur“, ausgerichtet durch den Landeskulturverband. Ausführlich wurde unter dem Hashtag „digitaleZukunftSH“ hierüber getwittert. Eine Erkenntnis war: „In Bezug auf Digitalisierungsprozesse in Kulturbetrieben müssen wir glücklicherweise nicht immer weit in den Süden schauen. Jetzt geht der Blick zu unserem Nachbarn nach Hamburg. Silke Oldenburg stellt uns die Strategie des Museums für Kunst und Gewerbe vor.“ – Wirklich in den Norden, wo man hat man in Sachen digitale Sammlungen nicht nur Schleswig-Holstein meilenweit voraus ist, wurde anscheinend nicht geschaut. Es überrascht, dass es im gesamten Tweet keinen Hinweis auf die in Skandinavien geleistete Arbeit gibt. Immerhin war aber open access auf der Konferenz ein Thema:

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Am 5. Juni eine weitere Meldung. Der Kulturstaatssekretär eröffnet das „Digitale Archiv Schleswig-Holstein (DASH)“:

https://www.egovernment-computing.de/schleswig-holstein-eroeffnet-digitales-archiv-a-836312/

Man liest u.a.: „Die neu kreierte Software arcinsys [sic!] ermögliche es zum Beispiel jedem, über das Internet von jedem Ort aus digitale, aber auch analoge Archivalien im Landesarchiv zu suchen und zu bestellen.“

Auf der Seite des Landesarchivs selbst wird das DASH bis heute (15. Juli) nicht erwähnt. Auch sonst habe ich als Nutzer am Heim-PC noch keine Änderungen feststellen können. Für Recherchen bin ich weiterhin auf einige pdf-Findbücher und die grobe Bestände-Übersicht angewiesen.

Es gilt wohl hier ebenfalls das Wort der Ministerin: „Gemach – Geht jetzt los“.

Ergänzung vom 19.07.2019: siehe hierzu auch die kritische Anmerkungen auf Archivalia vom 28. Juni

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Alles in allem ist ein Aufbruch festzustellen. Und eine Aufbruchsstimmung wird auf digitalen Kanälen (s. @shlb_kiel) verbreitet. Auf die Ergebnisse bin ich gespannt, wobei ich mich von einer Skepsis leider nicht frei machen kann. Hoffentlich konzentrieren sich alle Beteiligten in der Digitalisierung des kulturellen Erbes nicht auf das, was ihnen andere Stellen (BSB München, KB Kopenhagen etc.) faktisch längst abgenommen haben, sondern bringen wirklich neue Dinge ins Netz.

Sønderjydske Årbøger bis 2016 online

Dass die Sønderjydske Årbøger mittlerweile online gegangen sind, ist mir erst heute aufgefallen. Verfügbar sind die Jahrgänge 1889-2016:

https://tidsskrift.dk/soenderjydskeaarboeger/issue/archive

Darunter auch ein Registerband für die Jahrgänge 1889-1988:

https://tidsskrift.dk/soenderjydskeaarboeger/issue/view/6126