Die 5 wichtigsten Bücher zur Geschichte Fehmarns jetzt alle im Netz

Nachdem die BSB München nun auch mein viertes Wunschbuch online gestellt hat (Danke dafür!) und Herr Wolgast mit der Veröffentlichung seiner Dissertation im Internet einverstanden ist (Danke auch dafür!), sind nun die in meinen Augen fünf wichtigsten Bücher zur Geschichte der Insel Fehmarn online zugänglich. Nämlich – gereiht nach Erscheinen:

Friedrich Wilhelm Otte: Oekonomisch-statistische Beschreibung der Insel Fehmern (1796)

http://digital.slub-dresden.de/id331553368

Eine aufklärerisch-kritische Bestandsaufnahme vor allem der sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten am Ende des 18. Jahrhunderts – überwiegend im Verbund mit Verbesserungsvorschlägen des Verfassers. Das Werk ist gleichermaßen als Literatur wie als Quelle von Wert.

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Georg Hanssen: Historisch-statistische Darstellung der Insel Fehmarn (1832)

http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10457125-0

https://books.google.de/books?id=R5w2hqV6nlQC&printsec=frontcover

Dass der bedeutende Impulsgeber der Agrargeschichte in Deutschland sich (aufgrund verwandtschaftlicher Verbundenheit) ausgerechnet mit Fehmarn ausführlich beschäftigte, kann nur als Glücksfall bezeichnet werden. Nach wie vor unverzichtbar.

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Johannes Voss: Chronikartige Beschreibung der Insel Fehmarn (1889/1891)

Bd 1, 1889:

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960390_color.pdf (farbig)

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960390_bw.pdf (sw)

Bd. 2, 1891 (mit Register für beide Bände):

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960420_color.pdf (farbig)

http://www.kb.dk/e-mat/dod/130021960420_bw.pdf (sw)

Die erste ausführliche – und bis heute nicht übertroffene – Gesamtdarstellung der Inselgeschichte bis in die preußische Zeit. Als Werk der „Heimatkunde“ nicht ohne genretypische Schwächen (kaum Fußnoten oder nachvollziehbare Quellenangaben). Nach meiner Erfahrung jedoch in der Regel zuverlässig und frei von den Fantastereien mancher Nachfolger.

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Kurt Düring: Das Siedlungsbild der Insel Fehmarn (1937)

http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00119574-2

Trotz des heute ungewöhnlich wirkenden Ansatzes eine ziemlich gründliche Darstellung mit vielen wertvollen Anregungen, Quellenhinweisen und Abbildungen. Die Verbundenheit des Verfassers mit dem Nationalsozialismus tritt nur selten offen zu Tage (wie etwa auf S. 25: „Entscheidend aber ist daß die politische Aktivität [Waldemars II.] von einer Ausdehnung des dänischen Volksbodens nicht begleitet ist; den kriegerischen Eroberungen fehlt die tragende Kraft des Bauerntums“) . Freilich sollte sie allen Lesenden stets bewußt sein.

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Günther Wolgast: Landesherrschaft und kommunale Selbstregierung auf der Insel Fehmarn. Ein Beitrag zum Verhältnis landesherrlicher Administration und autonomer bäuerlicher Rechtsgemeinden. Diss. Hamburg 1974.

https://archive.org/details/wolgast_landesherrschaft

Eine ausführliche Darstellung vor allem der Entwicklung kommunal- und regionalpolitischer Institutionen vom Mittelalter bis 1867, die für weitere Forschungen eine recht sichere Grundlage und ebenfalls Anregungen und Hinweisen bietet.

Kirchner - Haus auf Fehmarn

Abbildung: Gemälde „Fehmarn-Häuser“ von Ernst Ludwig Kirchner; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: Gemeinfrei

Nicht unter den Top 5, aber ehrenvoll erwähnt seien:

Urkundensammlung der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für vaterländische Geschichte Bd. III.2 = Fehmarnsche Urkunden und Regesten. Hg. v. [Karl] Kohlmann (1880)

https://archive.org/details/urkundensammlun00hillgoog/page/n171

Es ist dies war nicht – wie oft gemeint wird – „das Fehmarnsche Urkundenbuch“ (s. das Vorwort), doch zweifellos ist in dem Band eine Menge wichtigen Quellenmaterials des 15. und 16. Jahrhunderts verzeichnet und abgedruckt. In den Fällen, die ausschließlich regestriert wurden, empfiehlt es sich aber, sicherheitshalber das Original anzusehen. Nicht weil das Regest sinnentstellend falsch wäre, sondern weil zuweilen wichtige Informationen des Originaltextes nicht aufgenommen wurden. Die Fußnoten zu den spätmittelalterlichen Burger Testamenten in Fußnoten ignoriert man auch besser.

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Johann Peter Wurm: Fehmarn unter lübischer Pfandherrschaft 1437-1491, in: ZVLGA 79 (1999), S. 94-118

https://vlga.de/file/zvlga_79_1999.pdf

Was die Betrachtung einer einzelnen Epoche betrifft, wohl die beste bislang vorliegende Veröffentlichung zur Geschichte der Insel.

 

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Sønderjydske Årbøger bis 2016 online

Dass die Sønderjydske Årbøger mittlerweile online gegangen sind, ist mir erst heute aufgefallen. Verfügbar sind die Jahrgänge 1889-2016:

https://tidsskrift.dk/soenderjydskeaarboeger/issue/archive

Darunter auch ein Registerband für die Jahrgänge 1889-1988:

https://tidsskrift.dk/soenderjydskeaarboeger/issue/view/6126

 

 

Frühneuzeitlicher Band mit Rechtstexten aus SH, digitalisiert in Vermont

(Klaus Graf sei herzlich gedankt für seinen Hinweis im Blog Archivalia)

Die Bibliothek der Universität von Vermont hat einen Band mit Rechtstexten aus SH digitalisiert:

https://cdi.uvm.edu/book/uvmcdi-55726#page/1/mode/1up

Der von den US-Bibliothekaren vergebene Titel ist unzutreffend. Auch mit der „Danish Church Ordinance of 1537“ liegt man falsch.

Der Band beginnt mit einer Abschrift des Dithmarscher Landrechts von 1567 (vgl. hier einen späteren Druck).

In der zweiten Hälfte folgen Abschriften einer Vielzahl von Urkunden und Rechtstexten des 15.-17. Jahrhunderts. Die spätesten Texte stammen, wenn ich richtig gesehen habe, aus den 1630er Jahren. In erster Linie handelt es sich um herzogliche und königliche Verträge und Bestätigungen. Wenn es regionaler wird, liegt der Schwerpunkt auch hier eindeutig auf der Westküste. Wilster kommt z.B. hier und dort vor. Vielleicht erwähnenswert: ein undatiertes „Eiderstedtisch Spadelandes Recht“ (der Sprache nach, wohl noch aus dem 16. Jahrhundert) und die „Articulen des Nohrtstrandisch Spadelandes Regtens“  . Der Entstehungsraum ist also höchstwahrscheinlich Westcoast. Der Kollektor dürfte eine Amtsperson gewesen sein.

Ach so, eingebunden ist das Ganze in die Seite einer mittelalterlichen Handschrift, von der allerdings kaum noch etwas erkennbar ist.

(Abbildung: Digitalisat University of Vermont Libraries)

Fehmarnscher Museumsverein wird zum Förderverein

Der „Verein zur Sammlung fehmarnscher Altertümer“ zieht sich – wie abzusehen war – aus seiner Rolle als Träger zweier Museen zurück und wird zum Förderer. Die Verwaltung der Museen und ihrer Bestände fällt damit an die Stadt Fehmarn. Die Lübecker Nachrichten berichteten:

https://www.ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Wechsel-Stadt-uebernimmt-die-Museen-auf-Fehmarn

Man darf gespannt sein, wie und mit welchem Einsatz die Stadt diese neue Aufgabe handhaben wird.

Museum Helgoland

Das Museum Helgoland bietet eine im Ganzen ansprechende und informative Webseite:

https://www.museum-helgoland.de/home.html

Allerdings irritieren die seit einem Jahr ungelöschten Spam-Einträge in der „Ideenbox„. Auch ist die Bibliographie ist in der vorhandenen Form noch wenig hilfreich. Wenn offenbar schon die Möglichkeit zum Verlinken besteht – was hier und da zu sehen ist -, sollten im Netz vorhandene Digitalisate auch nachgewiesen werden. Und wenn man schon Links – etwa zur KB Kopenhagen – angibt, reicht eine Verknüpfung zur Hauptseite nicht. NutzerInnen sollten schon möglichst direkt zum Text oder zur Karte gelangen, soll heißen:

Gustav Jacoby: Helgoland bei Johannes Mejer und Adam von Bremen, in: Die Küste 2 (1954), Heft 2, S. 95-129 – Link

„Protocoll von occupation Holligland“ von Georg Schröder (Glückstadt, 2. Juli 1684), Reichsarchiv Kopenhagen, Tyske Kancelli Indenrigske Afdeling, Reunionskommissionen af hertugdømmet Slesvig 1684, Protocollum der Reunions Commission im Hertzogthumb Schleswig 1684 – Link

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Karte „Grundriz der Insel Helgoland„, ca. 1700-1750, Königliche Bibliothek Kopenhagen, Ingeniørkorpset Samling XVIII, 2, 11 – Link

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Karte „Prospect der Inseel Helgolandt im Iahr 1697“, Reichsarchiv Stockholm, Krigsarkivet, SE/KrA/0406/25/110/002 a – Link

Wenn man alles das angemessen einfängt, was digital schon irgendwo da ist, und die Suchmöglichkeiten um mehr als einen Begriff erweitert, wäre es ein tolles Angebot.

2 Wunschbücher online

Im vergangenen Jahr hatte ich der Bayerischen Staatsbibliothek 4 Titel als „Wunschbücher“ zur Digitalisierung vorgeschlagen. Der Antrag wurde vor einem halben Jahr im Prinzip bewilligt (s. Blog-Eintrag „Wunschbuch“-Angebot der BSB funktioniert offenbar). Inzwischen sind zwei der Vorschläge online gegangen, nämlich

Andresen: Bürger- und Einwohnerbuch der Stadt Tondern bis 1869 (1937)

http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00119671-0

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Brandt: Geistesleben und Politik in Schleswig-Holstein um die Wende des 18. Jahrhunderts (2., verb. Aufl. 1927)

http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00119561-0

 

Relaunch beim Nordfriisk Instituut

Die Webseite des Nordfriisk Instituut hat sich von seiner doch deutlich in die Jahre gekommenen Gestaltung verabschiedet und präsentiert sich jetzt in zeitgemäßem Gewand.

https://www.nordfriiskinstituut.eu

In der Rubrik „Bibliothek und Archiv“ findet man zum einen die in der Einrichtung in der Einrichtung lagernden Nachlässe verschiedener Personen sowie das Archiv der 1981-2014 bestehenden Harro Harring-Gesellschaft. Die jeweils betreffenden Findbücher wurden ebenfalls online gestellt.

Außerdem sind ausgewählte ältere Buchtitel zur nordfriesischen Sprache, Geschichte und Kultur als Digitalisat verfügbar.

 

Gildeunterlagen auf Fehmarn restauriert und übersetzt

Auf der Zusammenkunft der Dänschendorfer St. Osewald-Gilde am vergangenen Rosenmontag war man stolz auf die gelungene Restaurierung des Gildebuchs von 1665. Die Vereinigung wurde zwar bereits im 15. Jahrhundert als Bruderschaft ins Leben gerufen, doch da sich die Vorläuferbände des Buches nicht erhalten haben, ist letzteres von besonderem Wert. Am Herzen lag den Gildebrüdern auch eine Übertragung der 1665 niedergeschriebenen Statuten in heutiges Deutsch. Entsprechend erfreut nahmen sie ein Heft mit der Übersetzung entgegen.

https://www.fehmarn24.de/fehmarn/historische-dokumente-11825424.html

Die Restaurierung des Gildebuchs war nur dank starker Unterstützung der lokalen Kirchengemeinde möglich. Der Gemeindebrief berichtete im Dezember.

Das Buch war für einige Zeit verschollen. Zu seiner Rückkehr in den Gildebesitz und einigen Inhalten äußerte ich mich bereits 2015 im Rundbrief des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte SH.

AUT Altmannsdorf COA

Abbildung: Wappen von Altmannsdorf (Wien) mit Attributen des Heiligen Oswald, via Wikimedia Commons, Lizenz: Gemeinfrei