Digitalisate jetzt auch bei der Landesbibliothek SH – Doch es bleibt noch viel zu tun …

Man hatte schon nicht mehr daran geglaubt, doch tatsächlich hat es die Landesbibliothek SH noch im Jahr 2022 geschafft, „Digitale Bestände“ ins Netz zu bringen.

https://digibib.schleswig-holstein.de/

Klaus Graf von Archivalia hat’s zuerst gesehen, ein schnelles (vernichtendes) Urteil gefällt und mir den Ball zugespielt.

Was ist nun davon zu halten?

Auf dem Umstand, wie sehr man in SH mit einem derartigen Projekt zeitlich hinterherhinkt, möchte ich nicht weiter herumreiten (Das habe ich in der Vergangenheit häufig genug getan). Auch dass die Menge der Digitalisate bislang sehr überschaubar ist, möchte ich noch nicht zu hoch hängen. Im Vorwort heißt es: „Die digitalisierten Bestände spiegeln eine Auswahl aus den Sammlungen der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek wider und werden stetig erweitert.“ – Ich hoffe einfach, dass die Erweiterung zügig voranschreitet, so dass man vielleicht bald den kompletten Groth-Nachlass zu sehen bekommt. Geschmackssache mögen auch die ausgewählten Themen sein, die mich nicht alle überzeugen (Einstein mochte Segeln in Kiel? – Na toll. Und Sylt zieht in der PR immer, oder?).

Viel mehr frage ich mich, ob es bei diesem Zugang über thematisch eher willkürliche „Kollektionen“ bleiben soll bzw. wie übersichtlich und effizient dies bleiben kann, wenn das Angebot – wie zu hoffen ist – ausgebaut wird. Da überzeugt mich ein doch eher medial orientierter Zugang wie bei der Stabi Hamburg mehr. Leider hat man sich die Stabi dann wieder im genau falschen Bereich zum Vorbild genommen, nämlich bei der Präsentation der Digitalisate. Ich fremdele dort auch nach Jahren immer noch mit Ansichten, die meist entweder zu klein oder zu groß sind. Unter einer Vollbildansicht versteht man z.B. dort folgendes:

Ich meine einmal gehört zu haben, dass sich diese Art der Präsentation besser für die Nutzung auf mobilen Endgeräten eignen soll. Da ich Digitalisate jedoch eigentlich nie auf dem Handy anschaue und auch kein Tablet besitze, halte ich es eher mit der Landesbibliothek MV oder – ganz klassisch – mit der UB Düsseldorf.

Für viel gravierender halte ich jedoch das, was noch fehlt: Seitenvorschau, Vollbildansicht, Nennung der Signatur in allen Metadaten und vor allem – von Archivalia bereits erwähnt – die Möglichkeit ein ganzes Buch als pdf herunterzuladen. Wenn man derzeit auf das „pdf“-Symbol klickt, bekommt man – ernsthaft! – nur die Möglichkeit eine png(sic!)-Bilddatei der gerade jeweiligen Einzelseite herunterzuladen, via Rechtsklick „Grafik speichern unter“. Ich hatte schon fast vergessen, wie das geht.

Vielleicht sollte man das Ganze doch erst einmal als Beta-Test nehmen und auf Nachbesserung warten. Das kann es wirklich noch nicht sein.

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Hefte und Zeitschrift des AKENS komplett online

Frank Omland vom Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in SH meldet, dass sämtliche Info-Hefte und Bände der „Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte“ nun online verfügbar sind.

„ich habe jetzt alle Hefte des AKENS komplett online gestellt. Sie sind nach den einzelnen Aufsätzen abrufbar, dasselbe gilt für die Berichte und Rezensionen. Heft 1 bis Heft 61, von 1983 bis 2022. Außerdem noch eine Reihe von Beiheften und Online-Veröffentlichungen.

2.274 Seiten umfassten die ersten 30 Hefte, 3.340 Seiten die nächsten 20 Hefte und seitdem in 11 Heften weitere 2.184 Seiten. Zusammen also 7.798 Seiten mit Aufsätzen von mehr als 150 Autor*innen. […]

Parallel dazu sind die Aufsätze wieder für die Schleswig-Holsteinische Bibliografie mit einem Link versehen worden. Vielleicht ja tatsächlich eine Möglichkeit, damit Forschungsstände besser wahrgenommen werden.“

Personelle Änderungen im GSHG-Vorstand kündigen sich an

Die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte stellt auf ihrer Webseite zwei neue Kandidaten für den Vorstand vor:

Das Digitale kommt in beiden Vorstellungen zur Sprache.

Im Interview mit Frau Dr. Manske, die in der Landesbibliothek SH u.a. für den Bereich der Handschriften verantwortlich ist, erfährt man:

„Die Landesbibliothek hat hierzu 2021 ein Pilotprojekt zur sammlungsübergreifenden Bestandsdigitalisierung gestartet, das ihre Schätze von der Auswahl der Dokumente über das konkrete Scannen und Verarbeiten der Daten bis hin zur technischen Implementierung einer ‚Digitalen Bibliothek‘ zum Ziel hat.“

Es kann sich also noch um Jahre handeln, bis wir das erste Digitalisat aus dem Bestand der Landesbibliothek zu sehen bekommen. Hätte man sich nicht einfach bei der Digitalen Bibliothek MV mit einkaufen können?

Im Prinzip sehe ich mich in meiner vor drei Jahren angesichts großer Worte geäußerte Skepsis bestätigt. Viel Konkretes hat nach meinem Eindruck „Digitalen Masterplan Kultur“ bislang nicht hervorgebracht, jedenfalls nicht im Bereich der Landes- und Regionalgeschichte.

Immerhin: Die Landesbibliographie funktioniert jetzt wieder richtig.

Kritik am Zustand der Denkmalpflege in SH

https://www.fehmarn24.de/schleswig-holstein/bevor-der-verfall-droht-mehr-engagement-fuer-denkmalschutz-91267659.html

Ergänzung v. 2.2.22 – Bereits im Dezember titelte shz.de (vor der Bezahlschranke): „Der oberste Amtsleiter ist geschasst. Es fehlt massiv an Personal und Geld. 5640 Baudenkmäler hängen seit Jahren in einem Bearbeitungsstau. Und nachgeordneten Behörden wird mangelnde Kompetenz vorgeworfen.“

… und sofort hat man wieder die genehmigten Abrisspläne für ein Kulturdenkmal in Burg auf Fehmarn im Sinn.

Eines steht fest: Online läuft beim Landesamt bislang recht wenig. Auf Open Access bei Veröffentlichungen gibt man ebenso wenig wie beim archäologischen Pendant in Schleswig. Noch nicht einmal eine Verlinkung auf andernorts längst verfügbare Digitalisate der frühesten Inventarbände (Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz SH, hg. v. Haupt, ab 1886) ist drin.