„Wunschbuch“-Angebot der BSB funktioniert offenbar

Vor einiger Zeit habe ich die Anregung von Klaus Graf zu einem hiesigen Post beherzigt und die Digitalisierung einiger älterer bedeutender Werke zur Landes- und Regionalgeschichte nacheinander bei verschiedenen Einrichtungen angeregt. Es ging mir vor allem um Arbeiten von Franz Gundlach, Ludwig Andresen und Otto Brandt, also von Verfassern, die vor über 70 Jahren verstorben sind (womit das Urheberrecht erloschen ist).

Die auf einer Internetseite der UB Kiel angeführte Digitalisierung on Demand entpuppte sich auf Nachfrage als ein mit Kosten für den Besteller verbundenes Angebot.

Vom Göttinger Digitalisierungszentrum erhielt ich auf meine Mail keine Antwort.

Die Dänische Zentralbibliothek für Südschleswig reagierte freundlich und grundsätzlich aufgeschlossen, aber in der Sache unverbindlich.

Schließlich stieß ich via Archivalia auf das“Wunschbuch“-Angebot von historicum.net bzw. der Bayerischen Staatsbibliothek. Mit Hilfe des zur Verfügung stehenden Formulars schlug ich am 21. September vier Werke, für welche die Voraussetzungen erfüllt waren, zur Digitalisierung vor, nämlich:

  • Andresen: Bürger- und Einwohnerbuch der Stadt Tondern bis 1869 (1937)
  • Andresen: Geschichte der Stadt Tondern bis zum Dreißigjährigen Krieg (1939)
  • Brandt: Geistesleben und Politik in Schleswig-Holstein um die Wende des 18. Jahrhunderts (2., verb. Aufl. 1927)
  • Düring: Das Siedlungsbild der Insel Fehmarn (1937)

Umgehend traf die Anwort ein, dass meine Wünsche geprüft würden.  Heute wurde mir mitgeteilt, dass die Prüfung abgeschlossen und der Arbeitsprozess, der maximal drei Monate in Anspruch nehmen könne, eingeleitet sei. Es besteht also mehr als Grund zur Hoffnung, dass die genannten Bücher demnächst digital zur Verfügung stehen.

Schon allein damit ragt für mich das „Wunschbuch“-Angebot der BSB positiv aus dem Kreis deutscher Bibliotheken und Digitalisierungszentren heraus. Der Eindruck, dass man in Sachen digitaler schleswig-holsteinischer Landesgeschichte außerhalb der Schleswig-Holsteins oft besser bedient wird, hat sich für mich hingegen nur ein weiteres Mal bestätigt.

P.S.: Die von mir im angesprochenen früheren Post als Beispiel für nach wie vor ausstehende Digitalisierungen genannte ältere Staatsbürgerliche Magazin (1821-1831) wird vom „Wunschbuch“-Angebot leider nicht erfaßt, u.a. da es im Bestand der BSB nicht vorhanden ist. Die Digitalisierer in Kiel oder Göttingen könnten bei sich hingegen leicht drauf zugreifen …

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Der war gut …

Die CDU SH verkündet auf Ihrer Internetseite: „Wir werden Schleswig-Holstein zum Vorreiter der Digitalisierung machen.“.

Für ein Bundesland, dessen Landesbibliothek auf ihrer Webseite kein einziges Eigendigitalisat zugänglich machen kann, dessen Landesbibliographie seit geraumer Zeit auf dem Stand von 2015 verharrt und aus dessen Landesarchiv man Archivalien im Netz vergeblich sucht, ist dies eine geradezu absurde Ansage. Es wäre schon viel gewonnen, wenn man nicht mehr voller Neid nach Mecklenburg-Vorpommern blicken muß.

Nordkirche nach ’45 – Materialien

Die Seite „nordkirche-nach45.de“ begleitet die Wanderausstellung zum Umgang mit der NS-Zeit in den nordelbischen Landeskirchen, über die auch hier (indirekt) bereits berichtet wurde. Das Angebot umfaßt eine Vielzahl an Informationen und Texten, wobei die Unter-Rubrik „Vorträge, Reden und Predigten“ von Interessierten keineswegs übersehen werden darf:

https://www.nordkirche-nach45.de/medien-links-und-materialien/vortraege-und-predigten.html

Zu finden sind u.a.:

 

EU-DSGVO-Hysterie

Der Verein Schleswig-Holsteinische Familienforschung hat seine Seite auf dem Vereinsportal von genealogy.net vorübergehend vom Netz genommen:

„Wegen der neuen Datenschutzbestimmungen ist diese Homepage vorübergehend nicht erreichbar um abmahnwütigen Anwälten keine Angriffspunkte zu geben. Wir bitten um etwas Geduld.“

Hoffentlich muß man nicht soviel Geduld aufbringen, wie in anderen Fällen.

Rantzoviana

Im Rahmen der Jahrestagung des Arbeitskreises für Wirtschafts- und Sozialgeschichte SH auf dem Koppelsberg bei Plön stellte am 13. Mai die „Arbeitsstelle 500 Jahre Heinrich Rantzau“ sich und ihre Aktivitäten vor. Zugegeben: Ich hatte dem Programmpunkt im Vorfeld mit leichter Skepsis entgegen gesehen. Diese verflüchtigte sich jedoch schnell angesichts einer sehr ansprechenden und überzeugenden Präsentation.

Die erst im vergangenen Jahr gegründete Segeberger Initiative bemüht sich, den seinerzeit berühmten Adligen, Politiker und Gelehrten wieder stärker ins allgemeine Bewußtsein der Region zu rücken. Dank vielfältiger und einfallsreicher Mittel sind offenbar bereits erste Erfolge zu verzeichnen. Unter anderem wurde eine jährliche Veranstaltung zum Geburtstag Rantzaus etabliert, die bis mindestens bis zum namensgebenden Fernziel durchgehalten werden sollen.  Es beeindruckt, was eine handvoll Aktive in Sachen praktischer Geschichtsdidaktik zu leisten vermögen. Hieran könnte sich so mancher alteingesessene Geschichtsverein ein Beispiel nehmen.

Zu ihrem Vortrag hatten die Mitglieder der Arbeitsstelle eine umfangreichen Dokumentation von Fachliteratur über Heinrich Rantzau mitgebracht, die von ihnen erstellt und in gebundener Form über die Stadtbücherei Bad Segeberg der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde.  Diese Tätigkeit könnte in Bezug auf Quellen leicht fortgesetzt werden; denn vor allem dank arkivalieronline ist eine Vielzahl von Dokumenten im Netz verfügbar, die entweder von Heinrich Rantzau stammen oder mit ihm in unmittelbarem Zusammenhang stehen.

Vorrangig sind die Berichte des Statthalters Heinrich Rantzau an den dänischen Hof zu nennen (Bestand: Reichsarchiv Kopenhagen, Tyske Kancelli – indenrigske afdeling, Slesvig-holsten-lauenburgske Kancelli, Statholder Henrik Rantzaus relationer 1555 – 1598):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/other/index-creator/150/997781/20017862

[Ergänzung v. 25.09.2017] Einblicke vor allem in die politische Arbeit Heinrich Rantzaus gewähren auch die „Akter vedr . de kgl. og hertugelige rådersmøder, rådslagninger og beslutninger“ aus der Tyske Kancelli (indenrigske afdeling):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=20017960#275113,52814584

Des weiteren befinden sich im sog. Hansborg-Archiv viele Briefe Heinrich Rantzaus an Herzog Johann d.Ä. von Schleswig-Holstein-Hadersleben (Bestand: Reichsarchiv Kopenhagen, De sønderjyske fyrstearkiver, Hans den Ældre, Indkomne breve):

https://www.sa.dk/ao-soegesider/da/billedviser?epid=17291122#215455,41315918

Auf Seiten der Postausgänge, der sog. „Lukkede Breve“, finden sich entsprechend Briefe Johanns d.Ä. an Heinrich Rantzau, die allerdings nicht ohne Durchsicht der Registranten zu ermitteln sind. Nur für die ersten vier Registrant-Bände (1543-1559) existiert eine digitalisierte Zettelkartei, die den Zugriff auf relevante Dokumente erleichtert. Aus dem Registrant Nummer 10, den ich probehalber einmal eingesehen habe, lassen sich folgende Schreiben anführen:

In den „Breve til andere“ des Hansborg-Archivs stößt man unter anderem auf:

Zugang zu Briefen an Heinrich Rantzau, vor allem von Tycho Brahe, bietet:

http://emlo.bodleian.ox.ac.uk/forms/advanced?people=rantzau

***

Abschließend sei bemerkt, dass der wikisource-Seite mit Werken von und über Heinrich Rantzau ein wenig Aufstockung gut zu Gesicht stünde. Bereits mit Nennung der nicht wenigen, allein im Internet-Archive vorhanden Werke wäre viel gewonnen. Erwähnenswert ist sicher auch:

Dieter Lohmeier: Das „Rantzauer Zeitalter“ der schleswig-holsteinischen Geschichte, in: Demokratische Geschichte 13 (2000), S. 9ff.:

http://www.beirat-fuer-geschichte.de/fileadmin/pdf/band_13/Demokratische_Geschichte_Band_13_Essay_2.pdf

Rantzau_Obelisk

(Abbildung aus Lindeberg: Hypotyposis arcium palatiorum et monumentorum, ab Henr. Ranzovio, pro rege Holsato, conditorum (Hamburg 1591) – Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek)

ZVLGA bis 2011 online

Der Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde hat seinen Webauftritt neu gestaltet und im Zuge dessen, seine Zeitschrift bis zum Jahrgang 2011 (d.h. 91 Jahrgänge) online gestellt:

https://vlga.de/de/Zeitschrift

Dies bedeutet einen weiteren großen Fortschritt in Sachen „digitaler Landesgeschichte“, und es wäre zu begrüßen, wenn weitere regionale Geschichtsvereine dem Beispiel folgen würden.

Ergänzung: Wie Klaus Graf zur Meldung auf archivalia dankenswerter Weise anmerkte, ist zu den digitalisierten ZVLGA-Ausgaben auch eine Volltext-Suche auf der Hauptseite des Vereins verfügbar:

https://vlga.de/de/Recherche

 

Digitalisierung der „Heimat“ fast komplett

Bei der Hamburger Staatsbibliothek hat die Digitalisierung aller Jahrgänge der Zeitschrift „Die Heimat“ von 1891 bis zum Namenswechsel 2002 gute Fortschritte gemacht. Die Reihe der Bände weit nur noch kleine Lücken auf:

http://resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/PPN846060221

Ergänzung v. 03.10.2017: Auch für die Nachfolgezeitschrift „Natur- und Landeskunde. Zeitschrift für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg“ liegen inzwischen die Jahrgänge 2004-2012 digital vor:

http://resolver.sub.uni-hamburg.de/goobi/PPN846069997

 

Die Heimat 1891 Titel
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