Zeitschrift „Abgestaubt“ – Ausgabe 4 (2016)

Nicht nur der Landtag beschäftigt sich dieser Tage mit dem Nationalsozialismus und dem Umgang mit ihm in der Nachkriegszeit, auch im vierten Heft der Zeitschrift „Abgestaubt – aus den Archiven in der Nordkirche“  widmen sich mehrere Beiträge diesem Thema:

http://www.archivnordkirche.de/files/landeskirchliches_archiv/downloads/Abgestaubt%20-%202016%20DC%20Layout%202.pdf

Neben archivfachlichen Nachrichten und Informationen sind darin enthalten:

  • Benjamin Hein (Landeskirchliches Archiv Kiel): „Der Nachlass Wolfgang Baader im Landeskirchlichen Archiv Kiel – Ein Nationalsozialist und Antikommunist als Leiter des Presseverbandes der Landeskirche Schleswig-Holstein“ (S. 10-13)  – Der gelernte NS-Propagandist Baader leitete den Presseverband von 1952-1981. Seine Einstellungen und Arbeitsmethoden scheinen durch den „Zusammenbruch“ 1945  keine tieferen  Einschnitte erfahren zu haben. Baaders Aktivitäten sowie den verschiedenen Affären, die in Heins Text nur angerissen werden können, ist eine eingehende Untersuchung dringend zu wünschen. Zum Streit um die sog. „DFU-Pastoren“ in den frühen 1960er Jahren ist mir beispielsweise bekannt, dass dieser auch auf Fehmarn hohe Wellen schlug und liberale Kirchenvertreter vorort vom damals stramm nationalkonservativen „Fehmarnschen Tageblatt“ hart angegangen wurden. Zum Baader-Nachlass im Landeskirchlichen Archiv an sich sagt Hein leider kaum etwas – insofern führt die Überschrift etwas in die Irre. Der Leser kann nur vermuten, dass das, was im Text gesagt und abgebildet wird, den Archivalien des Bestandes entnommen ist.
  • Ebenfalls von Benjamin Hein: „Franz Tügel – ein Hamburger Landesbischof im Nationalsozialismus und ambivalenter Charakter“ (S.  21-24)
  • Stephan Linck (Studienleiter der Evangelischen Akademie der Nordkirche) „Wie die Kirche die Judenverfolgung unterstützte – Die Altonaer Judenkartei“ (S. 36-60) – In meinen Augen ist dieser Text fraglos eine Pflichtlektüre. Einmal mehr wird deutlich, dass „Sippenforschung“ im Dritten Reich alles andere als unpolitisch war. Zum späteren Leugnen von NS-Beteiligungen liefert Linck eine bezeichnende Episode (S. 56), die ich mir hier zu zitieren erlaube: „1946 erhielt das Kirchenbuchamt Altona eine Anfrage, die vom Archivamt der EKD in Hannover ausgegangen war. Essei bekannt, dass während der NS-Zeit „Judenregister” angefertigt und an die NS-Behörden weitergegeben worden seien. Um sich eine Übersicht zu verschaffen, bat das Archivamt um Mitteilung, wo derartige Register angefertigt bzw. abgegeben worden waren. Als Propst Hildebrand die Anfrage an das Altonaer Kirchenbuchamt weiterleitete, wurde die Existenz derartiger Listen mit der Bemerkung „Fehlanzeige” verneint. Der Schriftwechsel wiederum wurde ordentlich in der Akte „Sippenkanzlei” abgeheftet, in der die wiederholte Abgabe der Altonaer „Judenliste” dokumentiert ist.
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